Vorgesetzte sind oft Opfer ihrer eigenen Vorurteile
Das Chaos managen wie ein Feldwebel auf dem Schlachtfeld

Wer seine Mitarbeiter zu nehmen versteht, kann ihre Effizienz um bis zu 80 Prozent steigern.

Kreditsachbearbeiter brauchen einen überschaubaren Arbeitsplatz – besonders, wenn sie Besuche von Kunden bekommen. Sie müssen blind in die Schublade greifen können und das richtige Formular finden. „Chaos treibt den Aufwand für ein gutes Ergebnis unnötig in die Höhe“, so Axel Wollenhaupt, Personaltrainer bei der Finanzpartner BHW in Hameln. „Geht es um Fristen, Termine oder Kundenverkehr, bestehe ich auf Ordnung“, sagt auch Karsten Henze, Leiter Corporate Design und Markenführung bei der Deutschen Bahn. Aber: „Ansonsten können Mitarbeiter ihre Schreibtische so gestalten, wie sie wollen. Wer kreativ sein soll, darf auch mal im Chaos arbeiten. Er muss es nur beherrschen.“ Das Schreibtischbild ist also in erster Linie branchenabhängig. Werbeagenturen huldigen abends ihren nackten Schreibtischen – kreatives Flair ist unerwünscht.

Ist die andere Glaubensrichtung erlaubt, kann der Chef aus dem kreativen Chaos oder dem sorgfältig aufgeräumten Schreibtisch eine Menge ableiten. Dass ein chaotisch anmutender Schreibtisch auf einen unorganisierten Typ schließen lässt, ist widerlegt. Bei einem Vergleichstest des britischen Wissenschaftlers Mark Landsdale von der Loughborough University siegte keineswegs der Fan der Klarsichthülle und der perfekten Ablage. Souveräner Sieger war der Feldherr, der aus seiner Arbeitsumgebung ein Schlachtfeld gemacht hatte. Prominente Vertreter dieser Gattung waren Albert Einstein und Winston Churchill. Dieser Typus sucht auch in den Papierbergen mit System: Und zwar in welchem Kontext und in welchem Zeitpunkt das aufzuspürende Schriftstück abgelegt worden sein könnte.

Stephan Lermer, Psychologe und Leiter des Coaching-Instituts für Persönlichkeit und Kommunikation in München meint: „Mitarbeiter kommunizierten so ihr Profil.“ „Ein gemütlich gestalteter Schreibtisch mit Fotos und Blumen steht für ein großes Sicherheitsbedürfnis, urteilt Lermer. Und Gabriele Böhm, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Innergieakademie in Schweinfurt ergänzt: „So ein Mitarbeiter ist verletzlich, emotional, sucht Geborgenheit“.

Schlimm ist das nicht. Da sind sich die beiden einig. Zumindest nicht, so lange der Chef weiß, wie er den Mitarbeiter behandeln und einsetzt. „Vorgesetzte müssen lernen, die Charaktere ihrer Mitarbeiter besser zu verstehen“, erklärt die Unternehmensberaterin. „Die Effizienz lässt sich so um 40 bis 80 Prozent steigern“. Denn, so die Argumentation, wer verstanden wird, fühlt sich bei der Arbeit wohler – und macht einen besseren Job.

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