Vorladung weiterer Zeugen
Staatsanwaltschaft hält Prozess-Wende noch für möglich

Am Mittwoch stellte die Anklage insgesamt sieben Beweisanträge. Ihrer Auffassung nach hat sich Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser in seinen Aussagen einige Male widersprochen. Dagegen vermutet Essers Verteidiger durch diese Vorgehensweise eine Verschleppung des Prozesses.

HB DÜSSELDORF. In einer über zweistündigen und teilweise von hitzigen Wortgefechten geführten Erklärung stellte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Mittwoch weitere Beweisanträge. Mit einer Flut neuer Anträge und der Vorladung zahlreicher weiterer Zeugen will die Anklage noch eine Wende im Mannesmann-Prozess erzwingen.

Mit diesem Vorgehen will die Staatsanwaltschaft zeigen, dass ihrer Auffassung nach Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser im Prozess früheren Aussagen widersprach und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann die Mannesmann-Aktionäre falsch informierte. Essers Verteidiger Sven Thomas rief während der Erklärung aufgebracht: "Der Eindruck der Prozessverschleppung entsteht."

Staatsanwalt Johannes Puls sagte, Esser habe sich in seinen Vernehmungen vor dem Prozess in wesentlichen Punkten anders geäußert, als er dies vor Gericht getan habe. "Die Verlesung (der Vernehmungsprotokolle) wird belegen, dass Esser sich unzutreffend geäußert hat", sagte er. Auch die Annahme des Gerichts, der Mitangeklagte Ackermann habe bei der Genehmigung der Prämie an den Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk nicht schuldhaft gehandelt, wolle er widerlegen, ergänzte der Staatsanwalt. Puls hatte Ackermann bereits vor zwei Wochen bewusste Verstöße gegen das Aktienrecht vorgeworfen. Ackermann habe zudem die Mannesmann-Aktionäre bei der Hauptversammlung im Juni 2000 falsch über die Finanzierung der Prämien informiert, sagte Puls.

Zudem will die Staatsanwaltschaft auch Mitarbeiter von Flughäfen vorladen, um zu zeigen, dass sowohl Esser als auch Vodafone-Chef Chris Gent in wichtigen Punkten die Zeitabläufe während der entscheidenden Tage der Übernahmeschlacht Anfang Februar 2000 im Prozess falsch dargestellt hätten. So habe sich Gent zu einem Zeitpunkt, an dem dieser nach Aussagen Essers mit dem damaligen Mannesmann-Chef verhandelt habe, gar nicht in Düsseldorf sein können. Flughafenmitarbeiter sollten dies an Hand der Bewegungen von Gents Flugzeug bezeugen, sagte Puls. Auch habe Esser am 3. Februar 2000 die Einigung mit Vodafone verkündet, ohne die dafür nötige Zustimmung des Aufsichtsrats von Mannesmann zu haben. Damit habe er Fakten geschaffen.

Seite 1:

Staatsanwaltschaft hält Prozess-Wende noch für möglich

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%