Vorlage des Insolvenzplans
Phoenix-Gläubiger stimmen ab

Am Donnerstag wird der Insolvenzplan des Optionshändlers Phoenix-Kapiteldienst vorgelegt. Einzelne institutionelle Anleger wollen für sich Sonderverfahren durchsetzen. Die Phoenix-Pleite im März 2005 gilt als einer der größten Kapitalanlagebetrugsfälle der Republik.

FRANKFURT. Hoch hergehen wird es am Donnerstag, wenn rund 1 000 geprellte Anleger des insolventen Optionshändlers Phoenix-Kapitaldienst über den Insolvenzplan abstimmen. Beobachter rechnen damit, dass sich einige, vor allem institutionelle Investoren, Sonderrechte sichern wollen. Insolvenzverwalter Frank Schmitt bestätigte, dass es Gespräche mit einem institutionellen Anleger darüber gegeben habe, ob dessen Schaden gesondert behandelt werden müsse.

Die Phoenix-Pleite im März 2005 gilt als einer der größten Kapitalanlagebetrugsfälle der Republik. Rund 600 Mill. Euro hatten Anleger dem Optionshändler anvertraut. Doch statt zweistelliger Renditen produzierte Phoenix Verluste, Scheingeschäfte und ein Schneeballsystem.

Jetzt soll der Insolvenzplan regeln, wie die Opfer Teile ihres Geldes zurückbekommen. Nach dem Vorschlag von Insolvenzverwalter Schmitt sollen die rund 30 000 Phoenix-Anleger ein Drittel ihres eingesetzten Kapitals, abzüglich etwaiger Ausschüttungen plus drei Prozent Zinsen bekommen. Scheingewinne werden nicht berücksichtigt, genauso wenig Gebühren und Provisionen. "Wenn die Betroffenen zustimmen, können noch im dritten Quartal die ersten Gelder fließen", so Schmitt.

Insgesamt belaufen sich die Forderungen auf 674 Mill. Euro, bei Phoenix konnten aber nur 230 Mill. Euro sichergestellt werden, 200 davon will Schmitt auszahlen. Zusätzlich sollen rund 2 000 Anleger in den vergangenen vier Jahren erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen, wenn diese ihre Einlagen übersteigen. "Das ist für alle eine gerechte Lösung", wirbt Schmitt. "Wenn es heute zu keiner Mehrheit kommt, muss ich vor dem Bundesgerichtshof klären, wie viel Geld den Anlegern zusteht und wie es verteilt wird". Das dauere acht bis zehn Jahre.

"Wird der Insolvenzplan nicht angenommen, wird dies auch bei uns zu Verzögerungen führen, wir müssten zudem erstmal noch mehr Geld bezahlen", sagt Ingo Möser, Handlungsbevollmächtigter der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Ursprünglich sollten die ersten Zahlungen Mitte Juni fließen. Laut Gesetz muss die EdW 90 Prozent eines Schadens ersetzen, der nach Ausschüttung des Insolvenzverwalters übrig bleibt, maximal 20 000 Euro pro Anleger. Das wären im Fall Phoenix rund 180 Mill. Euro. Die EdW hat aber nur fünf Mill. Euro in der Kasse. Deshalb sollen die 750 Mitgliedsunternehmen nachschießen, doch viele weigern sich mit Hinweis auf die eigene drohende Pleite. Beobachter spekulieren, dass die Bundesregierung der EdW einen Rahmenkredit in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stellen will, um die Anleger zu entschädigen, hieß es aus Kreisen. Das Finanzministerium dementierte eine Einigung.

Mit solch einem Schritt könnte die Regierung einer Staatshaftungsklage entgehen. Der Kanzleizusammenschluss ProtectInvestAlliance (PIA) plant eine solche Klage, weil die EdW nach ihrer Ansicht gegen die EU-Anlegerentschädigungsrichtlinie verstoße.

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