Vorschriften für Anwälte
Abrechnen im Sechs-Minuten-Takt

Wirtschaftsanwälte sind teuer, die Stars der Szene kosten bis zu 1 000 Dollar – pro Stunde. Doch die Zeiten, in denen Auftraggeber die Spesen ihrer Anwälte bezahlen müssen, gehören der Vergangenheit an: Immer mehr Kunden machen ihren Anwälten detaillierte Abrechnungsvorschriften. Dabei gilt: Je größer der Kunde, desto größer die Vorschriften.

Donnerstagabend, 16. Stock eines Bürohochhauses im Frankfurter Bankenviertel: Es ist mal wieder spät geworden in der renommierten Anwaltsfirma, schon nach neun. Trotzdem steht noch eine Besprechung an, vor Mitternacht ist sicher nicht Schluss. Keiner der vier Juristen, die an diesem Fall arbeiten, hat seit dem Mittag etwas gegessen. Deshalb bestellt einer erst mal Pizza, bevor es weitergeht. Bis vor einigen Jahren tauchten dann später zweimal Primavera, einmal Calzone und einmal Quattro Stagioni auf der Rechnung des Mandanten auf. Unmissverständlich, wenn auch charmant tituliert als „After-hour Pizza“.

Doch die Zeiten sind vorbei. Kein Auftraggeber ist heute bereit, das späte Essen zu bezahlen. Der Grund: Preise für internationale Wirtschaftsanwälte sind – vor allem in den USA, aber auch in Europa – deutlich gestiegen. Zumal immer mehr Kanzleien versuchen, sich von dem gehaltvollen Kuchen eine Scheibe abzuschneiden. Die Stars der New Yorker Szene rufen bis zu 1 000 Dollar auf – pro Stunde. Und auch hier versuchen es einige Kanzleien schon mit 500 Euro.

Hinzu kommen zum Teil horrende Reisekosten und sonstige Spesen, so dass auch bei vergleichsweise kleinen Verfahren gerne mehrere Hunderttausend Euro an die Anwälte gehen. Reichlich Potenzial also für Einsparungen – und dieses Potenzial nutzen die Kunden.

Die meisten haben von sich aus Konditionen für die Zusammenarbeit mit den Kanzleien fixiert. So wie MVV Energie. Der Energieversorger aus Mannheim schickt jeder Kanzlei bei der ersten Zusammenarbeit seine Richtlinien zu. Kollidieren die mit den Honorarbedingungen der Anwaltsfirma, dann „erwarten wir schon, dass sich der Auftragnehmer nach unseren Vorgaben richtet“, so Natalie Setz, Vize-Chefin der Konzernrechtsabteilung. Bei jedem Auftrag gibt MVV den Gesamtkostenrahmen vor mit der Bitte, frühzeitig einen Hinweis zu geben, falls es teurer wird. „Reisekosten erstatten wir nur, wenn der Termin vorher abgestimmt wurde“, sagt Setz. „Die Dauer der Reise vergüten wir zur Hälfte als Arbeitszeit, vorausgesetzt natürlich, der Anwalt hat sich dabei belegbar mit unserem Fall beschäftigt.“ Gemeint ist: Und nicht mit einem anderen. Hotelkategorien und Flugklassen gibt MVV dagegen nicht haarklein vor, die eigenen Richtlinien sprechen hier lediglich von einem „angemessenen Rahmen“.

Andere sind da rigider. In den Bestimmungen eines großen internationalen Konzerns ist zu lesen, dass ein Hotelzimmer in Städten bis zu einer halben Million Einwohner nicht mehr als 100 Euro kosten darf und alle Flüge von bis zu fünf Stunden Dauer in der Economy-Klasse stattzufinden haben. Für Bahnreisen unter einer Stunde Dauer muss die zweite Klasse genügen. Außerdem bittet das Unternehmen seine Anwälte, „von standardisierten Ermäßigungsangeboten (Bahncard) wenn möglich Gebrauch zu machen“.

Kai Mertens, Partner in der Kanzlei Hammonds in Berlin, hat mit den Vorgaben der Klienten kein Problem. „Niemand lehnt einen Auftrag ab, nur weil er Economy Class fliegen muss“, so Mertens. Seiner Ansicht nach kommt es hier auch auf das richtige Fingerspitzengefühl an. Mertens: „Für uns ist es als Richtschnur auch wichtig, wie der Kunde selber reist. In welcher Klasse fliegen dessen Manager? Wie übernachten sie? Daran versuchen wir uns dann ein wenig bei unserem eigenen Reiseverhalten zu orientieren.“

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