Vorstand Arvato
Heimkehr nach Gütersloh

Der designierte Konzernchef Hartmut Ostrowski holt für den Vorstand der Bertelsmann-Tocher Arvato einen alten Bekannten zurück nach Güterlsoh. Damit schließt Ostrowski überraschend schnell eine Lücke im Vorstand bei Arvato.

DÜSSELDORF. Der Logistikmanager Eckhard Südmersen kehrt zu Bertelsmann zurück. Der bisherige Vorstand des Handelskonzerns Kaufland, eine Tochter der Schwab-Unternehmensgruppe (Lidl), zieht in den Vorstand der Bertelsmann-Tochter Arvato ein. Dort wird 48-Jährige ab 1. Juli bei Arvato Services für Kundenbindung, Logistik, Finanz- und Datenmanagement in Deutschland, Benelux und Osteuropa verantwortlich sein. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Südmersen wird für einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro verantwortlich sein, den annähernd 15 000 Mitarbeiter erwirtschaften.

Der designierte Konzernchef Hartmut Ostrowski und Südmersen kennen sich seit Jahren gut. Denn Südmersen begann seine Karriere 1991 als Hauptabteilungsleiter Betriebswirtschaft in der Bertelsmann Distribution, heute eine Tochter von Arvato. Der Sohn eines mittelständischen Möbelunternehmers aus Bad Oeynhausen übernahm vier Jahre später die Leitung der hochprofitablen Vereinigten Verlagsauslieferung (VVA) in Gütersloh. Die Bertelsmann-Tochter ist der führende Logistikpartner der Buchbranche in Deutschland.

„Südmersen ist ein exzellenter Logistikexperte“, sagt ein Unternehmensinsider. Deshalb habe ihm Ostrowski die neue Aufgabe angeboten. Bei Kaufland in Neckarsulm war der Manager fünf Jahre lange für Logistik und Produktion verantwortlich. Ostrowski freut sich laut Insidern über Südmersens „Rückkehr in die westfälische Heimat“.

Die Erfahrungen des Heimkehrers bei Bertelsmann waren allerdings nicht immer positiv. Auf dem Höhepunkt des Internetbooms restrukturierte er die Bertelsmann-Onlinetöchter BOL in Deutschland und in der Schweiz. Am Ende wollte er die Direct Group (Buch- und Musikklubs, Internet) strategisch neu ordnen. Doch er überwarf sich mit dem glücklosen Direct-Group-Chef Klaus Eierhoff und ging. Das Internetgeschäft war für Bertelsmann ein Fiasko. Eierhoffs Nachfolger Ewald Walgenbach setzte dem Verlustbringer schnell ein Ende. Er verkaufte und schloss die Onlinetöchter.

Mit Südmersen schließt Ostrowski überraschend schnell eine Lücke im Vorstand bei Arvato. Die Neubesetzung ist eng mit Rolf Buch abgesprochen. Der 41-jährige Buch ist der Nachfolger Ostrowskis als Arvato-Chef. Buch wird sich mit Rückkehrer Südmersen das Logistikgeschäft teilen. Nach der Übernahme des Chefsessels wird Buch für die internationalen Geschäfte von Arvato Services zuständig sein – mit Ausnahme von Südmersen Kompetenzbereich Deutschland, Benelux und Osteuropa. Mit der Neubesetzung im Vorstand hat Ostrowski sein Haus für die Übergabe zum Jahresende bestellt. Die Trennung vom Arvato-Vorstand Hans-Joachim Herzog im November kam überraschend. „Herzog war ein Freund von Ostrowski“, sagt ein Insider. Der Weggang des langjährigen Logistikchefs sei ihm persönlich schwer gefallen. Ursache des Zerwürfnisses war offenbar die fehlende Offensivstrategie des 53-Jährigen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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