Vorstandschef Ammer soll Holding verlassen
Schöne Bescherung im Hause Tchibo

In der Tchibo-Filiale an der Hamburger Einkaufsmeile Mönkebergstraße herrscht weihnachtliche Stimmung. Gemütlich trinken einige Kunden ihren Kaffee, andere stöbern nach letzten Geschenken für ihre Freunde: eine rundum besinnliche Stimmung. In der Zentrale der Hamburger Kaffeedynastie in der City Nord herrscht hingegen bedrückende Unruhe.

HAMBURG. Der Grund: Heute will der Aufsichtsrat der Tchibo Holding über die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden Dieter Ammer beraten. In Firmenkreisen heißt es bereits, der Vertrag des 56-Jährigen solle nicht mehr verlängert werden. Unklar ist nur noch, ob der gebürtige Bremer sein Amt bereits vor seinem Vertragsende im Mai 2008 abgibt. Sein Posten soll künftig nicht mehr besetzt werden.

Die Gründe für das Ausscheiden von Ammer sind vielfältig. Seit längerem sei das Tischtuch zwischen dem Vorstandschef und der Kaufmannsfamilie Herz, Eigentümer der Holding, zerschnitten, berichten Firmeninsider. Vor allem Großaktionär Michael Herz kreidet Ammer diverse Managementfehler an. So habe der gebürtige Bremer den Konzern in arge Bedrängnis gebracht, als er den Röstkaffeebereich für anderthalb Jahre kommissarisch leitete. Denn sein ehrgeiziges „Triple Seven“-Programm sorgte dafür, dass die Filialen auf ihrer Flut an Gebrauchsartikeln sitzen blieben. Kleinlaut gibt Ammer deshalb vor wenigen Wochen zu, der Gewinn des Konzerns werde 2006 und 2007 zurückgehen. Als Grund führt er massive Probleme im Kerngeschäft ein, da die Discounter dem Kaffeefilialisten schwer belasten.

Für Michael Herz ist dies ein Desaster. Denn der Tchibo-Eigner plant, nicht nur die Verschuldung des Familienunternehmens so schnell wie möglich zu drücken. Er will vor allem nicht, dass sich die Unkenrufe des ungeliebten Bruders und früheren Tchibo-Chefs Günter Herz bestätigen, er würde den Handelsriesen nicht in den Griff bekommen.

Sollte Ammer tatsächlich gehen, dürfte er aber finanziell abgesichert sein. Denn bei seinem Ausscheiden als Chef der Brauerei Beck erhielt er 2002 eine Abfindung von schätzungsweise 15 Millionen Euro. Zudem ist der Mann mit rund 13 Prozent an der Hamburger Solarfirma Conergy beteiligt. Das Paket ist derzeit an der Börse rund 170 Millionen Euro wert.

In Tchibo-Kreisen wird allerdings nicht bestätigt, dass sich der Aufsichtsrat mit Ammers baldigem Ausscheiden beschäftigt. Ein Tchibo-Sprecher will sich hierzu nicht äußern. Er sagt kurz und bündig. „Kein Kommentar.“

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