Vorstandschef der Air Berlin: Branchenschreck mit Familiensinn

Vorstandschef der Air Berlin
Branchenschreck mit Familiensinn

Sich eloquent in Szene zu setzen ist für Joachim Hunold kein Problem. Gerne stellt sich der Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin als konsequenter Macher und ehrlicher Makler dar.

HB DÜSSELDORF. „Glaubwürdigkeit ist der Anspruch, den ich an mich selber stelle. Dazu gehören Verlässlichkeit und Berechenbarkeit“, sagt der leicht untersetzte 54-Jährige mit dem lichten Haar.

Konsequent war der Weg des Studienabbrechers vom Gepäckverlader auf dem Düsseldorfer Flughafen zum Marketing- und Vertriebschef der LTU-Gruppe. Konsequent auch sein Ausstieg bei dem Ferienflieger, als 1990 der angepeilte Chefsessel unerreichbar wurde. Und konsequent trieb er danach innerhalb von sechs Wochen 7,5 Millionen Mark auf, um die damals angeschlagene Air Berlin aufzukaufen. Heute ist sie die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit knapp zehn Millionen Passagieren und 894 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr.

Ob Hunold mit derselben Konsequenz seit dieser Woche laut und öffentlich über einen Börsengang seines Unternehmens nachdenkt? In der Branche stößt er auf Skepsis. Auf der Pressekonferenz am heutigen Freitag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin dürfte er viele Fragen beantworten müssen.

Natürlich, sagt ein Airline-Experte, sei die geplante Expansion sehr mutig und habe die Fachwelt verblüfft. „Aber jeder fragt sich, ob er nicht beim ersten Gegenwind umkippt.“ Er weist auf die mangelnde Kapitaldecke der Airline hin. „Auf Grund der Konzernungebundenheit kann Hunold in seinen Entscheidungen sehr schnell sein“, räumt Germanwings-Vorstand Andreas Bierwirth nicht ohne Neid ein.

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