Vorstandschef der WestLB muss gehen
Thomas Fischer: Letzter Gong für den Boxer

Der ehemalige Boxer Thomas Fischer konnte sich wohl nicht mehr über die letzte Runde retten. Als Chef der WestLB ist seine Karriere zu Ende. Offenbar hat Bankenaufseher Jochen Sanio das Handtuch des Trainers in den Ring geworfen. Das Vertrauen in die Fähigkeiten des Vorstandschefs, die Bank zu führen, war angesichts der Verluste im Eigenhandel der Bank wohl erschüttert.

FRANKFURT. Anders als beim Faustkampf geht es in diesem Fall jedoch nicht um die Risiken für den Boxer, sondern für die Landesbank. Der bislang bekannte Vorwurf gegen Fischer lautet, der WestLB-Vorstand habe den Aufsichtsrat nicht korrekt über Risiken aus dem Eigenhandel informiert. Mindestens einen dreistelligen Millionenverlust hatte die Bank aus spekulativen Aktiengeschäften davongetragen. Darüber nicht vollumfänglich Rechenschaft abgelegt zu haben, wird Fischer nun offenbar zum Verhängnis.

Mit Fischer verlässt eine der schillernsten Figuren der deutschen Bankenszene die Bühne. Der heute 59-Jährige kam 2004 als neuer Chef und Retter zur WestLB, die sich nach Beschreibung eines Aufsichtrats zuvor „de facto klinisch tot“ war. Milliarden hatte die erste Bank am ehemals stolzen Finanzplatz Düsseldorf mit einem Ausflug ins Londoner Investmentbanking versenkt. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Da kam ein brillanter Redner und Motivator wie Fischer gerade recht. Ehemalige WestLBler berichten, Fischer habe mit einer nur 30-minütigen Rede in der Düsseldorfer Philipshalle die Mitarbeiter wieder aufgerichtet. „Wir lechzten nach der Zeit der Desillusionierung nach jemandem, der uns Zuversicht vermittelt“, schwärmte damals ein Topmanager.

Für Fischer war das damals die lange ersehnte Chance. Weder bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) noch bei der Deutschen Bank hatte der ehrgeizige Volkswirt die oberste Sprosse der Karriereleiter erklimmen können. Aber so richtig kam Fischer bei der WestLB nie an. Er machte sich gerne über die Behäbigkeit der des öffentlich-rechtlichen Sektors lustig. Auch mit einem äußeren Erscheinungsbild - teuren Anzügen und ausgefallenen Krawatten - eckte er bei den biederen Sparkassen-Bankern an.

Zunächst aber konnte Fischer mit der Sanierung der WestLB punkten. Auch wenn die Gewinne bisweilen vor allem aus Anteilsverkäufen stammten, stand die Bank unter Fischer schnell wieder gut da. Anfang dieses Jahres dachte man in Düsseldorf auch wieder laut über einen Ausbau des Auslandsgeschäftes nach. Der teure Ausflug nach London schien vergessen. Nun platzten die Verluste im Eigenhandel dazwischen. Bitter ist dies für Fischer nicht nur, dass ausgerechnet unter ihm als Risikoexperten ein solcher Fehler passiert.

Am allerschlimmsten dürfte jedoch für den ehrgeizigen Berliner sein, dass sein Abgang den Weg für eine voraussichtliche Fusion mit der LBBW ebnet. Ausgerechnet das Institut, an dessen Entstehung er maßgeblich beteiligt war. Schließlich schied er in Stuttgart im Streit, weil er nicht schnell genug Chef werden konnte.

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