Vorstandschef geht zum 1. Juli
Führungswechsel beim Einzelhändler Ahold

Der Chef des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold, der Schwede Anders Moberg, nimmt am 1. Juli seinen Hut. Über seinen Nachfolger - auch wenn es nur ein Interimsnachfolger ist - sind die Märkte so entzückt, dass sie die Personalie mit einem 42-Monats-Hoch der Aktie belohnen.

HB AMSTERDAM. Finanzchef John Rishton werde den Posten kommissarisch zusätzlich übernehmen, bis im Laufe des Jahres eine endgültige Entscheidung getroffen sei, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Analysten zeigten sich hoch erfreut über den Führungswechsel: Rishton werde an den Finanzmärkten für seine Weitsicht und Besonnenheit geschätzt. Ihm trauten Investoren daher eher als Moberg zu, dass er die Konzernziele erreiche. So sagte Karel Zoete von Rabo Securities, Rishton sei die richtige Person, um die Erholung des US-Geschäfts voranzutreiben und die Kapitaleffizienz zu verbessern. Rishton sei klar auf Wertsteigerung fokussiert. Die Aktien kletterten nach der Ankündigung um mehr als 1,5 Prozent auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Der 49 Jahre alte Rishton ist erst seit Anfang 2006 bei Ahold, nachdem er von British Airways zu den Niederländern gewechselt war. Rishton gilt als einer der Architekten der Sanierungs- und Schuldenabbaupläne bei Ahold.

Zum Weggang von Moberg erklärte der Konzern, der Manager habe sich mit dem Aufsichtsrat darauf verständigt, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Unternehmensspitze gekommen sei, da Ahold in die nächste Phase der Entwicklung eintrete. Moberg werde andere Karrierechancen wahrnehmen.

Analyst Fernand de Boer vom Bankhaus Petercam zeigt sich überrascht von dem Wechsel, da Moberg noch vor kurzem eine neue Strategie vorgestellt hat. Die Erklärung des Unternehmens könne darauf hindeuten, dass es bezüglich der Strategie Differenzen gegeben habe. Eine Sprecherin von Ahold wies diese vermutung zurück. Moberg steht seit 2003 an der Spitze des weltweit viertgrößten Lebensmittel-Einzelhändlers, der sich von den Folgen eines milliardenschweren Bilanzskandals bei seiner US-Sparte erholt. Diese steht nun zum Verkauf.

Branchenexperten erwarten, dass Mobergs Abgang die Spekulationen über eine Aufspaltung oder eine Übernahme des gesamten Konzerns neu anheizt. Ahold steht seit geraumer Zeit verstärkt unter dem Druck von Hedgefonds. Sie forderten den Verkauf der US-Aktivitäten zur Steigerung des Shareholder Value. Die Sparte trägt deutlich weniger zum Gewinn des Konzerns bei als zum Umsatz. Vereinzelt war auch über eine Fusion von Ahold und dem belgischen Wettbewerber Delhaize Group spekuliert worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%