Vorstandschef will auch nach 2005 Europas größten Medienkonzern führen
Thielen will bei Bertelsmann verlängern

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen will seinen Vertrag bei Europas größtem Medienkonzern verlängern. „Wenn mich der Aufsichtsrat fragt und meine Vorstandskollegen zustimmen, werde ich es machen“, sagte der 61-jährige am Freitag auf dem Bertelsmann-Management-Kongreß in Berlin.

DÜSSELDORF/BERLIN. Die über 500 Führungskräfte spendeten nach der Äußerung Thielens stehend Beifall. In der ersten Reihe saß Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn. Das berichten Teilnehmer von der Veranstaltung im Historischen Museum der Hauptstadt.

Die Vertragsverlängerung kommt nicht überraschend. Seit Wochen wird in Gütersloh darüber spekuliert, dass der frühere Chef der Druck- und Logistiksparte Arvato seinen 2005 auslaufenden Vertrag verlängern wird. Thielen, der seit dem Abgang von Thomas Middelhoff im Sommer letzten Jahr Vorstandsvorsitzender ist, genießt das Vertrauen der Mehrheitsgesellschafter Liz und Reinhard Mohn. Middelhoff musste gehen, da ihm die Familie Mohn, die den Medienkonzern seit fünf Generationen kontrolliert, ihr Vertrauen entzogen hat.

Im Mittelpunkt des Managementkongresses in Berlin stand die Zukunftsperspektive der Konzerntöchter. Als Sorgenkinder gelten das neben dem Musikgeschäft, die defizitären Buchclubs in Deutschland und England sowie das stagnierende Buchgeschäft. Der Vorstandschef setzt im kommenden Jahr auf Wachstum und Innovation statt auf teuere Zukäufe. Um die richtigen strategischen Entscheidungen hatte es in den letzten Wochen immer wieder Streitereien gegeben. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war der Rücktritt des Aufsichtsratschefs Gerd Schulte-Hillen. Sein Nachfolger wird am 1. Januar der ehemalige Thyssen-Chef Dieter Vogel. Schulte-Hillen war zuletzt nicht damit einverstanden, die Bertelsmann-Musiksparte mit der des japanischen Elektronikriesen Sony zusammen zu legen. Wie Teilnehmer berichten, geht Thielen aus dem zweitägigen Managementkongreß gestärkt hervor.

Der neue Aufsichtsratschef Vogel wird kraft Amtes als Vorsitzender des Aufsichtsrates auch Mitglied in der von der Familie Mohn dominierten Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG). Sie hält 75 Prozent der Stimmrechte der Aktiengesellschaft. An der BVG führt in strategischen Fragen keine Weg vorbei.

Erst vor wenigen Tagen hatte Jürgen Strube, ehemaliger BASF-Vorstandsvorsitzender und künftig Stellvertreter Vogels im Aufsichtsrat, die Diskussion um den Vorstandsvorsitz bei Bertelsmann entfacht. Strube sprach sich in einem Interview mit "Wall Street Journal" indirekt für eine Verlängerung des Vertrages von Thielen über das bisherige Vertragsende 2005 hinaus aus.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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