Vorstandsgehälter
Konzerne schützen ihre Chefs vor Gehaltsverlusten

Noch immer bekommen viele Vorstände Boni - selbst wenn ihr Unternehmen Verlust macht. Kaum ein großer Konzern hat die gesetzlichen Vorschriften zur nachhaltigen Entlohnung von Spitzenmanagern vollständig umgesetzt, die Defizite sind gewaltig. Eine neue Studie zeigt, wo es hakt.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Aufsichtsräte müssen die Vergütung ihrer Manager auf „Angemessenheit“ und „Nachhaltigkeit“ trimmen – so will es das neue Vergütungsgesetz.

Doch die Defizite, das zeigt eine aktuelle Studie, sind gewaltig: Nicht einmal zehn Prozent aller Aktienoptionen haben die geforderte Sperrfrist von vier Jahren, wie eine Untersuchung der 300 wichtigsten börsennotierten Unternehmen durch die Technischen Universitäten Karlsruhe und München zeigt. Und nur acht Prozent der Tantieme beziehen sich auf mehrere Geschäftsjahre, wie es das Gesetz fordert. Lediglich vier Prozent der Boni sind an wertorientierte Kriterien gebunden.

„Es gibt praktisch kein Unternehmen, das nichts ändern muss“, sagt Heinz Evers, Vergütungsberater für Führungskräfte. Evers stellt aber auch Widerstand fest: „Viele Aufsichtsräte stellen ihre Vergütungssysteme nicht grundsätzlich genug infrage.“

Die Regierung will die Bezahlung der Spitzenmanager von kurzfristigen Effekten und reinen Aktionärsinteressen abkoppeln und stattdessen langfristig ausrichten. Dazu wurde im Sommer 2009 das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) verabschiedet. Die Finanzkrise lieferte das entscheidende Argument: Falsche Leistungsanreize wurden maßgeblich für den Zusammenbruch der Banken und damit für die Weltfinanzkrise verantwortlich gemacht.

Eine kleine, formale Änderung macht die Aufsehergemeinde besonders nervös. Das Gesetz verlagert die Diskussionen über Vergütungen von geheimen Personalausschüssen in das gesamte Aufsichtsplenum, inklusive der Arbeitnehmervertreter. „Viele Aufsichtsräte haben die Verträge ja noch nie gesehen“, berichtet Evers. Dabei müssen sie künftig nach dem Willen des Gesetzgebers dafür den Kopf hinhalten.

Die beiden Studienleiter Steffen Rapp und Michael Wolff haben sich für die Jahre 2005 bis 2009 304 Unternehmen aus dem Prime Standard vorgenommen, das heißt einschließlich aller Dax-, MDax-, TecDax- und SDax-Firmen. Es dürfte damit die umfassendste Vergütungsstudie sein, die es auf dem Markt gibt. Erscheinen wird sie in wenigen Tagen im Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Als „größte Schwachstelle“ identifiziert Wolff die variable Barvergütung. „Es fehlen Malusregeln und Ausschüttungssperren, die Bemessungsgrundlagen sind schlecht“, sagt Wolff. Vorstände bekämen teilweise Zieltantieme völlig unabhängig davon, ob das Unternehmen Gewinn macht oder nicht.

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Kommentare zu " Vorstandsgehälter: Konzerne schützen ihre Chefs vor Gehaltsverlusten"

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  • Es herrscht das Krähenprinzip vor. Diese Leute begegnen sich immer wieder und überall. Da hat man dann doch Mitleid miteinander und wird doch dem armen "Kollegen" nicht seinen sauer erarbeiteten Lohn vorenthalten wollen. Auch nicht wenn es dann vielleicht am Ende keine glorreiche Leistung gab. Es waren dann halt die ungünstigen Umstände. Und dann vielleicht weniger geben? Das kann man doch nicht machen. bei den anderen Arbeitnehmern in ihren Konzernen haben Sie dann da keine solche Hemmungen oder gar Rüchsichtnahmen.

    Aber was soll das Klagen.... wenn in den Hauptversammlungen die (Klein-)Aktionäre nicht zusammen abstimmen wird sich da halt nichts ändern - oder einfach die Aktien dieser Firmen verkaufen die von den vereinigten Selbstbedienern geführt werden.

  • Der Herr Konzern schützt seine Chefs.
    Oder sind sie es als Entscheidungsträger vielleicht selbst?
    Verwirrung sogar bei der schreibenden Zunft.

  • Guten Tag,.... Nicht die Konzerne schuetzen diese Leute. Nein diese Leute bedienen sich selbst. besten Dank

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