Vorstandssprecher wird monatelang vor Gericht stehen
Ackermann - Bankchef mit zwei Jobs

Montag vor einer Woche noch auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in der Wüste Dubais, Dienstag zu Besuch bei Kronprinz Abdallah von Saudi-Arabien, danach ein kurzer Zwischenstopp in der Zentrale in Frankfurt. Am Sonntag weiter zum Investorentreffen in New York, mittwochs zurück nach Hamburg – wichtige Kundengespräche. Josef Ackermann führt ein Leben wie aus der Drei-Wetter-Taft-Werbung. Immer im Dienst jettet der Vorstandssprecher der Deutschen Bank von Termin zu Termin rund um den Globus.

Doch bald wird der Stundenplan des smarten Schweizers aller Voraussicht nach anders aussehen. Dann wird Ackermann, Chef des einzigen global bedeutenden deutschen Geldhauses, ganz lokal für einige Monate auf der Anklagebank des Düsseldorfer Landgerichts sitzen. Es geht um rund 60 Millionen Euro Prämien und Abfindungen, die bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Konkurrenten Vodafone flossen. Ackermann hatte den Zahlungen als Mannesmann-Aufsichtsrat zugestimmt. Es geht darum, ob das – wie von der Staatsanwaltschaft gefordert – als Untreue bestraft werden muss. Und es geht um die Zukunft der Deutschen Bank.

Es fällt nicht schwer, sich auszumalen, wie der erste Verhandlungstag im Saal L111 des Landgerichts am Rand der Düsseldorfer Altstadt aussehen wird. Die Story von der Hochfinanz auf der Anklagebank wird sich niemand entgehen lassen. „Ein gefundenes Fressen für die Stammtische“, räumen auch Verantwortliche der Deutschen Bank ein. Hunderte von Journalisten und Fotografen werden sich um Ackermann und seine fünf Mitangeklagten drängen, und mit jedem Blitzlicht droht ein Stück des guten Rufs der Deutschen Bank zu verglühen.

Hochintelligent, diszipliniert, integer, weltläufig, charmant: Der ehrgeizige Ackermann gilt in der Finanzwelt als perfekte Besetzung für den Chefsessel des mächtigen Geldhauses am Main. Jetzt aber steht die Traumehe vor einer schweren Belastungsprobe. Doch Ackermann und die Bank versichern, dass sie auch in schlechten Zeiten zueinander stehen wollen. Es bleibt ihnen wenig anderes übrig. Ohne die volle Rückendeckung der Bank hätte der machtbewusste Schweizer intern keine Chance. Die Deutsche wiederum würde ohne Ackermann in eine Führungskrise schlittern.

Der Schweizer hatte bereits vor seinem Amtsantritt ein neues, ganz auf ihn zugeschnittenes Führungsmodell durchgesetzt. Der Vorstand wurde quasi entmachtet, die Verantwortung für das Geschäft liegt jetzt bei den elf Managern des so genannten Group Executive Committee – die meisten treue Gefolgsleute Ackermanns. Der charismatische Risikomanager Thomas Fischer, Ackermanns letzter ernsthafter Konkurrent, hat die Bank längst verlassen, und mit ihm verschwand auch die offene Kritik am Vorstandschef.

Selbst seine Gegner räumen ein, dass es ohne ihn nicht mehr geht. „Ackermann hat die Bank in Geiselhaft genommen“, erzählt einer, der sich früher zur Opposition zählte. „Jetzt rächt sich, dass das ganze Führungskonzept auf eine einzige Person ausgerichtet ist.“ Wenn der Aufsichtsrat Ackermann das Vertrauen ausspreche, dann sei das mehr als ein Lippenbekenntnis. „Es fehlen einfach die glaubwürdigen Alternativen.“ Also bereitet sich die Bank auf die Zeit vor, in der sie mit „einem halben Ackermann“ auskommen muss.

So besprechen Ackermanns Leute derzeit mit dem Gericht den Zeitplan der Verhandlung. Die Bank möchte einen straffen Prozess, nicht länger als drei Monate; zwei Verhandlungstage in der Woche, die am besten direkt aufeinander folgen. Mit zwei Tagen wöchentlich könnten wohl auch die deutschen Finanzaufseher leben. Sie müssen prüfen, ob Ackermann vom Prozess nicht zu sehr in Anspruch genommen wird, um die Bank weiter verantwortungsvoll führen zu können. „Alles kein Problem“, wiegelt die Deutsche Bank ab. Ackermann sei ein Meister im Delegieren. „Unsere Maschine läuft auf Hochtouren, und sie läuft weitgehend selbstständig.“

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