Vorwurf der Bilanzfälschung
Ex-Hypo-Alpe-Chef landet vor dem Richter

Noch während in Österreich der Prozess um die Machenschaften des ehemaligen Managements der Bawag läuft, hat das Justizministerium in Wien grünes Licht für einen weiteren großen Bankenprozess gegeben: Die ehemaligen verantwortlichen der Hypo Group Alpe Adria stehen unter dem Vorwurf der Bilanzfälschung.

WIEN. Das Justizministerium genehmigte das Vorhaben der Oberstaatsanwaltschaft gegen die ehemaligen verantwortlichen der Hypo Group Alpe Adria in Klagenfurt vorzugehen, die nach Meinung der Ankläger Spekulationsverluste verheimlicht haben. Das Verhalten hatte wie im Fall der Bawag dazu geführt, dass die Bank schließlich verkauft wurde.

Im Fall der Hypo Alpe Adria Gruppe war es die Bayerische Landesbank, die die Gruppe mehrheitlich erwarb. Die Neuerwerbung hat die von der Finanzkrise schwer in Mitleidenschaft gezogenen Bayern zwar nicht vor herben Verlusten bewahren können, gilt aber unter den an der Landesbank beteiligten Sparkassen als Hoffnungsträger für künftiges Geschäft.

Darum allerdings wird es beim anstehenden Prozess nicht gehen. Dort wird vielmehr der ehemalige Chef der Kärntner Bank, und heutige Investmentbanker und Vorstand der Flick Privatstiftung, Wolfgang Kulterer, im Mittelpunkt stehen. Ihm wird genauso wie seinen Vorstandskollegen, Günter Striedinger und Thomas Morgl, Bilanzfälschung vorgeworfen, weil Verluste, die im Jahr 2004 entstanden waren erst 2006 in den Büchern der Bank auftauchten. Morgl ist der einzige aus dem Trio, der heute noch im Vorstand des Geldinstituts tätig ist.

In einem Sachverständigen-Gutachten, das im Auftrag der Staatsanwaltschaft erarbeitet worden ist, heißt es, dass in der Bank systematisch die Konsequenzen aus den Verlusten in Höhe von 328 Mill. Euro verschleiert und verschwiegen wurden. Auch Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer wurden nicht informiert. Letzteren fielen erst bei der Bilanzerstellung für 2006 Fehler auf, worauf sie ihr Testat zurückzogen und der Prozess ins Rollen kam.

Investoren sprangen ab. Ein ursprünglich für dieses Jahr angepeilter Börsengang wurde abgesagt. Teile des angeschlagene Instituts übernahm eine Gruppe um den deutschen Vermögensverwalter Tilo Berlin, der dann den Verkauf an die Bayerische Landesbank einfädelte und selbst zum Nachfolger von Kulterer an der Spitze der Kärtner Bank aufstieg.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%