VW-Affäre
Peter Hartz wegen Untreue angeklagt

Anderthalb Jahre nach dem Beginn der VW-Affäre ist Ex-Personalvorstand Peter Hartz als erster Beschuldigter angeklagt worden. Die Liste der Straftaten, die die Staatsanwaltschaft Braunschweig dem Ex-Manager vorwirft, ist lang - und die mögliche Haftstrafe ebenfalls.

HB BRAUNSCHWEIG. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den früheren VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz erhoben. Dem prominenten Manager wird im Zuge der VW-Affäre um Korruption, Lustreisen und Partys für Betriebsräte Untreue zur Last gelegt, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch mitteilte. Die Anklage laute auch auf unrechtmäßige Begünstigung eines Betriebsrates, hieß es.

Hartz soll unter anderem von 1994 bis 2005 eine Summe von insgesamt fast zwei Mill. Euro als Bonuszahlungen an Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert genehmigt haben, ohne dass dies bei VW offen gelegt worden sei. Auch Volkerts Geliebter habe er hohe Summen ohne Gegenleistung zugeschanzt.

Hartz hatte Mitte Oktober eine "strafrechtliche Verantwortlichkeit für Begünstigungen des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden" eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin bestätigt, dass die Ermittlungen zügiger als gedacht beendet werden könnten.

Die VW-Affäre war im Juni 2005 ins Rollen gekommen. Als Schlüsselfiguren gelten Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und sein enger Mitarbeiter Klaus Gebauer. -Joachim Sie sollen Schmiergeld verlangt und mit Hilfe eines weltweiten Netzes von Tarnfirmen Geld auf eigene Konten umgeleitet haben, das eigentlich VW zugestanden hätte. Später wurden auch Vergnügungsreisen und Partys bekannt, die etwa über Blanko-Schecks bei VW abgerechnet wurden. Unter anderem sollten damit Betriebsräte auf Unternehmenslinie gehalten werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen zwölf weitere Beschuldigte.

Insgesamt werden Hartz 44 Straftaten zur Last gelegt. In 23 von diesen Fälle werde ihm - so wörtlich - die unrechtmäßige Begünstigung eines Mitgliedes des Betriebsrates und eines europäischen Betriebsrates "um seiner Tätigkeit willen" vorgeworfen.

Bei einer Verurteilung wegen Untreue drohen Hartz bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe. Wegen eines Verstoßes gegen Paragraph 119 Betriebsverfassungsgesetz, der eine Begünstigung von Betriebsräten untersagt, kann eine Haftstrafe von maximal einem Jahr oder Geldstrafe verhängt werden.

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