VW-Lustreisen: Ex-Skoda-Manager verurteilt

VW-Lustreisen
Ex-Skoda-Manager verurteilt

Fünf Jahre nach Bekanntwerden ist nun auch der letzte Prozess im Zuge der VW-Affäre um Schmiergeldzahlungen und Lustreisen beendet: Das Amtsgericht Wolfsburg hat den ehemaligen Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.
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HB WOLFSBURG. Richter Alexander Wiesner sprach den 56-jährigen Ex-Manager am Dienstag der Bestechlichkeit, Untreue und Beihilfe zum Betrug schuldig. Als Bewährungsauflage habe Schuster in 15 Monatsraten einen Geldbetrag von insgesamt 15 000 Euro zu zahlen, sagte der Richter. Das Urteil ist rechtskräftig.

Staatsanwalt und Verteidiger verzichteten nach der Verkündung auf Rechtsmittel.

Als Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall wertete der Richter eine Überweisung von 100 000 Euro durch einen indischen Geschäftspartner von VW an den Angeklagten. Angesichts des hohen Gehalts des Managers sei eine solche Selbstbedienung besonders verwerflich und mit einer Einzelstrafe von acht Monaten zu ahnden, betonte Wiesner. Das Geld hatte Schuster 2005 erhalten, nachdem er dem indischen Gechäftsmann ein geplantes Joint Venture mit VW schriftlich bestätigt hatte. Für das Geld habe er sich anschließend einen Lamborghini gekauft, sagte der Richter.

Eine Einzelstrafe von sechs Monaten verhängte der Richter für einen Anstellungvertrag, den Schuster im Mai 2003 mit der Lebensgefährtin des Betriebsratsbetreuers bei VW, Klaus-Joachim Gebauer, abgeschlossen hatte. Die Frau erhielt bis Ende 2004 insgesamt rund 50 000 Euro Entgelt von Skoda Deutschland, ohne dafür Arbeitsleistungen zu erbringen. Ihre Anstellung durch Schuster sei als Untreue zu werten, auch wenn Skoda Auto SA Tschechien, für die Schuster tätig war, die 50 000 Euro nie an Skoda Deutschland erstattet habe.

Als Beihilfe zur Untreue wertete der Richter eine Reise von Schuster, Gebauer, dem Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und Partnerinnen auf VW-Kosten auf die indischen Andaman-Inseln. Als Beihilfe zum Betrug stufte er einen Bordellbesuch von Schuster, Gebauer und einem VW-Arzt in Prag ein, den der Mediziner VW in Rechnung stellte. Beide Taten ahndete er mit Geldstrafen von 90 und 30 Tagessätzen.

Bei der Bildung der Gesamtstrafe folgte der Richter dem Antrag der Verteidigung, unter einer einjährigen Bewährungsstrafe zu bleiben, um dem Angeklagten eine weitere berufliche Tätigkeit als Geschäftführer nicht zu verbauen. "Es kann nicht Aufgabe des Gerichts sein, hier auf kalten Wege ein faktisches fünfjähriges Berufsverbot zu verhängen", sagte er.

Verteidiger Ferdinand Gillmeister hatte zuvor den gegen seinen Mandanten erlassenen Strafbefehl unter der Bedingung akzeptiert, dass eine Bewährungsstrafe unter einem Jahr ausgesprochen werde. Er verwies auf die lange Dauer des Ermittlungsverfahrens, die ausgiebige Berichterstattung über die Affäre, den Jobverlust und die wirtschaftlichen Nachteile, die der Angeklagte habe hinnehmen müssen.

Da die Verteidigung den sachlichen Inhalt des Strafbefehls akzeptierte, verzichtete der Richter auf eine Beweisaufnahme.

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