VW-Personalvorstand und Kanzler-Berater Peter Hartz scheitert an seinen eigenen Regeln
Porträt: Peter Hartz - Der eitle Überzeugungstäter

VW-Personalvorstand Peter Hartz muss gehen. Er stolperte über seine eigenen Regeln. Mit seinem Weggang endet eine Ära.

DÜSSELDORF. Amüsiert und mit einem leichten Lächeln um die Mundwinkel ist Peter Hartz an diesem Abend im Kongresszentrum des Crown-Plaza-Hotels in Genf in Plauderlaune. Mit der Überlegenheit des Stärkeren lobt er die gerade zu Ende gegangene Rede des neuen Sterns am VW-Himmel: „Sie haben doch gehört, er will sich erst einmal alles anschauen und die Menschen kennen lernen. Das ist doch gut“, sagt Hartz über Wolfgang Bernhard. Der mächtige VW-Personalvorstand ist sich sicher, dass man den neuen Kollegen schon noch auf das VW-System einnorden wird. Er glaubt dies aus einer gesicherten eigenen Position heraus: „Mein Vertrag läuft ja noch über ein Jahr, dann sehen wir weiter“, sagt er souverän.

Das war vor vier Monaten. Nun ist alles Makulatur. Das Konsenssystem VW liegt auf dem Sterbebett, Bernhard wird dabei sein, wenn es zu Grabe getragen wird. Und die Symbolfigur für den freundschaftlichen Umgang zwischen Management und Betriebsrat, der Reformer, der Politberater Hartz, steht künftig außen vor. Bei VW endet mit seinem Weggang eine Ära.

Statt als der große Reformer bei VW und als Retter des deutschen Sozialstaats in Erinnerung zu bleiben, so hätte er es sich gewünscht, wird an Hartz der Makel hängen bleiben, wegen einer Korruptionsgeschichte kapituliert zu haben. Sein Name war schon vorher beschädigt und untrennbar mit dem Vorwurf der sozialen Kälte verschränkt. Bilder sind eindrucksvoller als Theorien: „Das Leben ist hartz“ und „hartzlos“ hatten Demonstranten, die gegen die nach ihm benannten Reformgesetze protestierten, auf ihre Plakate geschrieben – millionenfach auf Zeitungsseiten nachgedruckt. Fast schon hilflos sein Kommentar: „Nicht überall, wo Hartz drauf steht, ist auch Hartz drin.“ Offene Kritik verbot sich, weil sie seinem Duzfreund Gerhard Schröder geschadet hätte. Dass Hartz, von Sendungsbewusstsein geblendet, als Leiter der Arbeitsmarktkommission versprochen hatte, die Zahl der Arbeitslosen um zwei Millionen zu verringern, war anmaßend, aber nicht untypisch. Der Mann glaubt an sich und seine Methoden.

Um Hartz, „der es liebt, geliebt zu werden“, wie es in seinem Umkreis heißt, war es schon im vergangenen Jahr ruhiger geworden. Er machte sich rar, obwohl der Charmeur es genießt, im Mittelpunkt zu stehen. Sein Lächeln hatte zunehmend einen Hauch von resignativer Enttäuschung, berichten Mitarbeiter. Nun dürfte es gefroren sein. Einem, der von sich sagt, „ich liebe die Menschen“, geht die Rolle als Buhmann an die Substanz. Stolperte er bei seinem Ausflug in die Politik noch über Naivität, wurde ihm bei VW sein eigenes System zum Verhängnis. Die fehlende Distanz zu Mitarbeitern und Gewerkschaften wurde ihm zum Schicksal. Das öffentliche politische Engagement des SPD- und IG Metall-Mitglieds schürte den Eifer seiner Gegner. Noch steht aber nicht fest, ob Hartz juristisch verwertbare oder moralische Vergehen zur Last gelegt werden können.

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