VW-Prozess
Verteidiger zielen auf Piëch und Pischetsrieder

Im Korruptions-Prozess bei Volkswagen will die Verteidigung nach Ex-Vorstandschef Ferdinand Piëch auch dessen Nachfolger Bernd Pischetsrieder als Zeugen vernehmen lassen. Einen entsprechenden Antrag kündigte Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki am Mittwoch zu Beginn der ersten Zeugenvernehmungen vor dem Landgericht Braunschweig an.

HB BRAUNSCHWEIG. Beide früheren VW-Chefs hätten entweder von der Sonderbehandlung von Betriebsräten und Lustreisen gewusst oder sich "blind gestellt", sagte Kubicki, der den als Cheforganisator der Lustreisen angeklagten Ex-Personalmanager Klaus Gebauer-Joachim vertritt.

Eine Mitwisserschaft der Konzernführung könnte das Strafmaß auch für den ebenfalls angeklagten VW-Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert verringern. Volkerts Anwalt Johann Schwenn warf VW vor, die Aufklärung über die Rolle Piechs zu erschweren. VW hatte am Montag den Verdacht einer Mitwisserschaft Piëchs zurückgewiesen und angekündigt, eine Strafanzeige wegen Verleumdung zu prüfen. "Das ist der Versuch, die Zeugen an wahrheitsgemäßen Aussagen zu hindern", sagte Schwenn. Staatsanwalt Hans Koch-Christian erklärte: "Wir gehen davon aus, dass das Gericht in der Lage ist, diese Gefahr zu erkennen."

VW bestritt jeglichen Versuch der Einflussnahme. "Wer die Wahrheit sagt, muss sich nicht vor einer Strafanzeige fürchten", sagte ein Sprecher. Die nach Hinweise auf eine Verstrickung Piechs kämen von einem anonymen Informanten. VW müsse das Recht haben, darauf zu reagieren.

Die Staatsanwaltschaft will mit Hilfe dreier zusätzlicher Zeugen - darunter Audi-Chef Rupert Stadler und der ehamlige VW-Finanzvorstand Bruno Adelt - die Rolle Piechs klären. Nach VW-Angaben hat es bis zum Ende der Amtszeit Piechs 2002 keine Revision des fraglichen Spesenkontos "1860" gegeben, über das Gebauer Reisen und Bordellbesuche von Betriebsräten und Managern auf Kosten des Autobauers abgerechnet hat. Ihm wird Untreue, Volkert Anstiftung dazu vorgeworfen.

In der Amtszeit Pischetsrieders, der im vergangenen Jahr abgelöst wurde, fielen der Revision von VW im Februar 2005 sechs Spesenrechnungen über 160 000 Euro für eine Indienreise von führenden Betriebsräten, Personalmanagern und Arbeitsdirektor Peter Hartz auf. "Es war nicht zu erkennen, wer dort gereist ist", sagte ein Revisionsmitarbeiter vor Gericht. Gebauer habe eine Sonderstellung genossen, sagte ein weiterer Mitarbeiter der Prüfabteilung. Er habe zum Kreis von rund 30 Personen mit Recht auf "Vertrauensspesen" ohne nähere Begründung gehört.

Geplatzt sei die Bombe erst im Juni 2005, als die Revision auf weitere seltsame Rechnungen gestoßen sei, etwa über hohe Summen an eine VW-Mitarbeiterin aus Südamerika, die sich später als Volkerts Geliebte entpuppte. Diese habe 31 DVDs mit Reportagen von mäßiger Qualität vorgelegt, darunter ein Report über den niedersächsischen Gebirgszug Harz. "Der Bezug zu VW war sehr schwer zu erkennen", sagte der Zeuge.

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