VW-Vorstand
Ein neuer Antreiber in Wolfsburg

Mit dem Österreicher Christian Klingler steigt jetzt ein machtbewusster Vertriebsmann in den VW-Konzernvorstand auf. Seit der Insbrucker im August 2008 zu den Wolfsburgern gekommen ist, hat er bereits einige dicke Bretter gebohrt.
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HAMBURG. Einer wie er fackelt nicht lang. Als Christian Klingler, Jahrgang 1968, im August 2008 zu VW kommt, rutscht die Branche gerade in die Absatzkrise. "Wir mussten viele Dinge gleichzeitig anpacken. In einer ersten Phase das Händlernetz sichern und den Lagerbestand anpassen. Parallel haben wir uns auf die Zeit nach der Krise vorbereitet", sagt der Vertriebschef der Marke VW rückblickend.

Der Innsbrucker mit dem gepflegten Spitzbärtchen legt auch selbst ein ordentliches Tempo vor. Jetzt befördert ihn der Aufsichtsrat in den Konzernvorstand und damit zum neuen Vertriebschef für alle Automarken von VW über Seat bis hin zu Porsche. Er habe sich bewährt, heißt es aus dem Kontrollgremium. Gleichzeitig schafft, wie erwartet, Audi-Chef Rupert Stadler den Sprung in die Führungsspitze. VW-Chef Martin Winterkorn erweitert den Vorstand im Zuge der Porsche-Übernahme von fünf auf sieben Köpfe.

Klingler legt in Wolfsburg vom ersten Tag an kräftig los: Er installiert ein Monitoring für die VW-Händlernetze, das die Zentrale frühzeitig auf Schwierigkeiten hinweist, führt den neuen Golf ein und bringt zuletzt den Polo erfolgreich auf den Markt. Trotz Branchenkrise steigert er den Marktanteil in vielen Ländern. Derzeit kämpft er gegen den Absatzeinbruch nach Auslaufen der staatlichen Abwrackprämien. Anstelle von Rabatten bietet er die Autos inklusive Service und Versicherung an. Zudem will er die Margen in Deutschland verbessern: "Gute Händler sollen gut verdienen."

Doch wehe, es läuft nicht so, wie sich das der Vertriebschef vorstellt. Dann kann Klinglers österreichisch gefärbte Stimmlage schnell schneidend werden. Freund und Feind bescheinigen dem studierten Betriebswirt, der zuvor in der Geschäftsführung der Salzburger Porsche-Holding arbeitete, die nötige Härte für den Vertrieb, der als zu deutschlandfixiert und schwerfällig gilt. Klingler löst den verdienten VW-Veteranen Detlef Wittig ab. Der 67-Jährige kümmert sich seit zwei Jahren kommissarisch um den Vertrieb auf Konzernebene.

Die Wirren der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche spielen Klingler ein Geschenk in die Hand. Die Porsche Holding Salzburg, Europas größter Autohändler und-großhändler, wird Teil des neuen, von Wolfsburg aus gesteuerten VW-Reichs. Klingler kann so eine geschlossene Vertriebskette bis zum Autokäufer aufbauen. Der machtbewusste Manager schwieg bislang öffentlich zu diesem Potenzial. Denn die wichtigste Wolfsburger Lektion musste er gar nicht erst lernen: Häng dich nie zu weit aus dem Fenster!

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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  • ich benötige dringend die e-mail Adresse vom Vorstand Volkswagen/Wolfsburg, Deutschland, weil ich bisher nur unnötige e-mails von der Kundenbetreuung erhielt.

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