Wachstumsbremse

Die Zeitarbeitsbranche zittert vor Equal Pay

Der Boom in der Zeitarbeitsbranche ist vorerst gestoppt. 2012 flacht das Wachstum deutlich ab. Gleichzeitig suchen die Personaldienstleister Tausende Fachkräfte - und müssen sich ganz nebenbei neu erfinden.
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Zeitarbeiter sollen genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte. Quelle: dpa

Zeitarbeiter sollen genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte.

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MünchenDie führenden Personaldienstleister in Deutschland müssen sich auf deutlich schwächeres Wachstum einstellen. Nachdem der Markt für Zeitarbeit im vergangenen Jahr um 17,5 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro gewachsen ist, rechnet die Marktforschungsagentur Lünendonk für dieses Jahr nur noch mit einem Zuwachs von 11,4 Prozent. Zum einen klagen die Zeitarbeitsunternehmen über Fachkräftemangel, zum anderen lastet auf der Branche die Unsicherheit über den Ausgang der Tarifverhandlungen. "Unsere Kunden zögern mit Aufträgen, obwohl ihre Auftragsbücher voll sind", sagt Jan Ole Schneider vom Marktführer Randstad.

Seit Monaten verhandelt die Branche mit den Gewerkschaften über die sogenannte Equal-Pay-Regelung. Demnach sollen Zeitarbeiter genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte. Neben den Gewerkschaften drängt vor allem die Bundesregierung auf eine Lösung, sie will Lohndumping verhindern. Die Branche ist zwiegespalten: Einerseits sind die großen Anbieter daran interessiert, das Image der Personaldienstleister zu verbessern. Andererseits fürchten sie, ein Teil des Markts könnte wegen der Kostensteigerung wegbrechen.

"Wenn das Instrument Zeitarbeit gestoppt wird, dann wandern Teile der Industrie ins Ausland", warnt Andreas Dinges, Deutschland-Chef von Adecco. "Wir müssen auch für einfach qualifizierte Tätigkeiten weiterhin attraktiv bleiben. Equal Pay gefährdet dieses Segment", sagt Randstad-Manager Schneider. Denn von der Anhebung der Löhne auf das Niveau der Branchen Metall oder Chemie wären vor allem die unteren Lohngruppen der Zeitarbeit betroffen. Derzeit liegt der Einstiegstarif für Zeitarbeit bei 7,79 Euro im Westen - und der gilt im Westen für 44 Prozent der Beschäftigten, im Osten wird noch weniger gezahlt.

"Equal Pay" auf das Niveau der Industriegewerkschaften würde Aufschläge von bis zu 30 Prozent bedeuten. "Ein generelles Equal-Pay werden sich nicht alle Branchen und einzelne Kunden leisten können", warnt Stefan Polak von der Job AG.

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32 Kommentare zu "Wachstumsbremse: Die Zeitarbeitsbranche zittert vor Equal Pay"

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  • @ Horstel
    da kann man mal sehen, wie die allgemeine meinung gegenüber Menschen ist, die ungewollt und unverschuldet in dieses menschenunwürdige System gerutscht sind.
    Ich habe in meinem Leben genug gearbeitet. Durch die Legitimation von Zeitarbeitsverträgen wird jedes Arbeitsverhältnis prekär. Verträge werden gekündigt oder besser: einfach nicht verlängert, es entstehen Zeiten der Arbeitslosigkeit und irgendwann bricht dann ALG II über einen herein.
    So, und jetzt ht die Agentur für Arbeit wiederum die Legitimation, Menschen in diese prekären Arbeteitverhältnisse zwangszuvermitteln. Die dann auch noch aufstocken müssen, damit die Zeitarbeitsgeber sich die Geldbeutel füllen können? Ist das noch gerecht?

  • Gibt es Bewertungsfunktionen innerhalb eines Blogs, in schlechtester Weise sogar mit Minusfunktion, und man hat dieser Minusfunktion rot zugeteilt, der Plusfunktion hingegen grün, dann sind – ich habe das ausprobiert, indem ich sachlich positive Kommentare verfasst habe und sie dann über zehn mal mit Minus bewertet habe – diese Farben, fallen sie offensichtlich ins Auge des Blog-Besuchers, Motivation dazu, ohne sich mit dem Text inhaltlich zu beschäftigen, wie automatisch auf die meist angeklickte Farbe zu klicken und damit zur Verstärkung einer Meinung beizutragen, die man selbst gar nicht kennt. Beim Nachfragen bei den Blog-Besuchern, bezüglich ihres Verhaltens und über das Wissen bezüglich des Kontextes, habe ich nach mehreren Versuchen dann auch tatsächlich feststellen können, dass nur siebzehn Prozent über die Aussage der Schreibinhalte bescheid gewusst haben. Und acht Prozent der Personen, die geklickt haben, haben den Text vor dem Klicken durchgelesen, während der Rest der 17% geklickt und dann erst gelesen hat. Deswegen hat Voltaire seinen Candide am Schluss der Novelle namens „Candide oder die beste aller Welten“ resignierend sagen lassen: „Il faut cultiver notre jardin.“ (" Wir müssen unseren Garten bestellen.“)

  • "netshadow", dein Text gefällt mir! Aber was dagegen tun? – Mein Tipp: Nicht mehr zur Wahl gehen, die meisten Produkte meiden, die im Ausland produziert worden sind … Aber ist das dann schlechter für die Leute dort? Und wie sähe es dann gesamtwirtschaftlich aus? Muss einfach jeder Staat auf sich und seine Bürger schauen oder müssen wir zusammenhalten? Ist alles nur zum Vorteil der reichen Industrieellen gemacht oder profitiert das gesamte System darunter? Vielleicht ist es dem gesamten System alles aber nur zum Schaden? Wenn mein Tipp eingehalten würde, würden die da oben dann überhaupt nur noch machen, okay, tun sie jetzt ja auch, was sie wollen, und was sollen wir dagegen tun und vor allem – wie? Wie werden wir diese [...] Eliten los? Ich würde sie alle in den Knast werfen. Wenn man die Meinungen in Blogs allerdings verfolgt, weiß man, dass sich gar nichts ändern wird, weil die meisten die Inhalte von Texten gar nicht verstehen, und wenn sie sie verstehen, dann fehlinterpretieren sie sie meistens. Entweder sehen sie in einem Text nur das, was sie darin sehen wollen oder sie legen ihm überhaupt das Gegenteil des dargestellten zu Grunde. Andere reisen einfach einige Zeilen aus dem Zusammenhang, weil blöde Kritik ihr Lebensmotto zu sein schein. Fachliche und/oder sachliche Qualifikationen bleiben (fast immer!) genauso aus, wie das Infragestellen der eigenen Gedanken.
    [+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

  • Natürlich kommen 70% direkt aus der Arbeitslosigkeit.
    Wer ist denn bereit unter diesen Bedingungen zu arbeiten?
    Bis sich das einer antut, muss der ein paar Jahre arbeitslos gewesen sein.

  • Zeitarbeitsfirmen sind Sklavenhändler der Moderne, ihre Kunden die gewinngierigen Millionäre und AG-Verbandsbosse; wie sonst erklären sich die hunderte von Milliarden Schwarzgelder in den sog. Steueroasen und anderen Waschanstalten? Der Wauwau mit dem dicksten Kopf ist der vehementeste Verteter dieser Religion.

  • Wer keine Argumente hat, versucht es mit dem emotionalen Blaster und Pauschalraketen. Selbst entlarvend, werter Besitzstandswahrer. Wahrscheinlich fehlt Ihnen die emotionale Anerkennung ihres Umfeldes, um in Ihrer Terminologie, oder in Ihrer kleinen Welt, zu bleiben.

    Mit der Leiharbeit sind Personalkosten als solches ausgeblendet. Der Faktor Arbeit wird zu Sachkosten in einem Betrieb heruntergeregelt.
    Das sagt genug über die Einstellung zur menschlichen Arbeitskraft. Wenn ein Land sich solchen Bedingungen unterstellt, muß man sich über Lohndumping, privater Verschuldung, Bildungsnotstand, Fachkräftemangel etc. keine Sorgen mehr machen. Der menschliche Sachkostenfaktor wird es schon regeln. Leiharbeit ist nur ein Ausfluß einer immer seelenloseren Gesellschaft. Wir kaufen, bzw. müssen, ja auch kritiklos Produkte, die von Sklaven in anderen Ländern hergestellt werden. Immer nur billig, nicht preiswert. Dieses zu hinterfragen ist auch nicht möglich, man ist ja selbst Sklave eines Systems. Man braucht diesen "Bodensatz", um die weltweit agierenden Billiglohn-Produzenten zu stützen.
    Aber dummerweise wollen diese Länder jetzt auch die Löhne erhöhen, die Menschen wollen dort auch ihren gerechten Anteil an den für den Export produzierten Billigprodukten.
    Also hat die Entscheidung, ob Leiharbeit wie erlauben, oder ja oder nein, rein garnichts mehr mit der Wertschätzung menschlicher Arbeitskraft zu tun.
    Ist sie erlaubt, erlaubt man auch das Jonglieren als austauschbaren Kostenfaktor, bzw. manifestiert und implementiert diesen als Solchen. Und verweist damit Gruppen von Menschen in ein unmenschliches, seelenloses System, analog der Frühzeiten der Industrialisierung, aus dem es fast kein Entkommen mehr gibt. Ellenbogen-Gesellschaft ist noch schmeichelhaft ausgedrückt mit solchen gesellschaftlichen Entwicklungen.
    Aber die Statistik gibt ja allen recht, die Arbeitslosenzahlen sinken.
    Bis zum nächsten Konjunktureinbruch, dann wird wieder "geregelt".

  • Früher...vor 25 Jahren, war es so, das jede Firma so genannte "Springer" hatte..diese waren flexibel und überall einsetzbar..diese wurde natürlich bessere entlohnt als andere, mit der Einführung der Zeitarbeit wurde dies negiert..Keiner der Zeitarbeitsfirmenchefs würde irgendwo zu diesen Bedingungen anfangen...wäre es nicht sinnvoll, die Zeitarbeiter 30% besser als die Stammbelegschaft zu bezahlen? Wenn der Arbeitgeber sich schon von allen Pflichten entledigt, so sollte die Arbeitskraft ordentlich bezahlt werden

  • Equal Pay ist nur gerecht und die geforderte Flexibilität für Unternehmen könnte durch eine geringfügige Lockerung des Kündigungsschutzes viel effizienter geschaffen werden. Oder macht es betriesbwirtschaftlich Sinn eine Arbeitskraft bei der Zeitarbeitsfirma zu verwalten und bei dem Kunden der Zeitarbeitsfirma? Wie kann es sein, dass trotz dieser Ineffizienzen Zeitarbeitsfirmen noch Gewinne erzielen können und deren Arbeitnehmer so wenig verdienen, dass trotz eines Vollzeit-Jobs noch durch den Staat "aufgestockt" werden muss?

    Vermittelt das Arbeitsamt eigentlich keine Jobs?

    Vor diesem Hintergrund müsste die Zeitarbeitsbranche eigentlich mit einer Strafsteuer versehen werden und schnellstmöglichst verschwinden... die Arbeitsämter müssten Ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen.

  • Selten einen so professionell verschleiernden und vorsätzlich nicht-informativen Artikel gelesen - und das passt perfekt zur Branche ...

  • nein, sie sind ein Zeichen für ein Überangebot an Arbeitskräften und teilweise auch für ein Überangebot in ganz bestimmten Berufen.

    Wie sollen in Europa die Wettbewerbsungleichgewichte abgebaut werden, wenn in DE nicht die Löhne steigen. In den ganzen Krisendiskusionen tauchte diese Fragestellung ot genug auf, die anderen können ihre Löhne nicht um 30% absenken ohne soziale Unruhen zu produzieren.

    in DE sind 70% der Niedrigjobber schon mal Frauen. Hier wird bewusst unterbezahlt, weil mentalitätsbedingt diese Arbeit für minderwertiger gehalten wird. In Frankreich ist z.B. die Differenz zwischen Dienstleistungsberuf und Gewerblich geringer als hier.

    die Zeitarbeit wird missbraucht, in dem die Löhne nach unten gedrückt werden und hier muss eine gesetzliche Regelung her.

    und bei all der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes war das BIP-Wachstum seit dieser Zeit auch in DE alles andere als herausragend - was Anstieg war die Exportabhängigkeit.

    die Realllohnentwicklung lag unter der in allen OECD-Ländern. Zusammen mit Japan gab es eine Senkung. Das ist nirgends anderswo passiert. Also muss man die Lohnentwicklung stabilisieren, da sie erst durch staatlichen Einfluss (HartzIV u.a.) abgesenkt wurden.

    es ist das gleiche Problem wie mit den 400EuroJobs: das hat mit Besitzstandswahrung nichts zu tun, wenn richtige Stellen in Minijobs umgewandelt werden - hier schreiben teilweise sogar Kitas Minijobs für 6,67EUR/Std. aus. Das Überangebot an Arbeitskraft wird überall zur Lohndrückerei eingesetzt.

    in manchen Bereichen ist Arbeit in DE sogar massiv unterbezahlt, was der berufsspezifische Vergleich mit vielen anderen Ländern zeigt.



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