Wachtumsstrategie: Diversifikation wird wieder salonfähig

Wachtumsstrategie
Diversifikation wird wieder salonfähig

Jetzt, wo das Wachstum zunimmt und die nächste Übernahmewelle anläuft, fragen sich Manager, ob die Strategie der Fokussierung aufs Kerngeschäft noch immer richtig ist. Oder könnte Diversifikation sogar bald wieder in Mode kommen?

DÜSSELDORF. Jack Welch ist ein großes Vorbild für viele Manager. Dennoch raten Experten wie der Managementberater Kenichi Ohmae davon ab, dem Ex-Chef des Mischkonzerns General Electric (GE) nachzueifern. Zumindest nicht, wenn es um die Frage nach Diversifikation versus Fokussierung von Unternehmen geht. „Versuchen Sie erst gar nicht, Jack Welch zu werden“, sagt Ohmae. Ein so erfolgreiches Konglomerat zu schaffen bekämen nur wenige hin. Vielmehr empfiehlt der renommierte Stratege: „Konzentrieren Sie sich auf ein Geschäft, und betreiben sie das vernünftig.“

Ohmae gilt als Verfechter der Fokussierung aufs Kerngeschäft. Das ist seit Jahren die dominierende Strategie. Weltweit. Doch jetzt, wo das Wachstum zunimmt und die nächste Übernahmewelle anläuft, fragen sich Manager, ob diese Direktive noch immer richtig ist. Oder könnte Diversifikation sogar bald wieder in Mode kommen?

Wenn man an die Wiederkehr von Trends glaubt, müsste es so kommen. Bis zum zweiten Weltkrieg dominierten stark fokussierte Unternehmen die Weltwirtschaft. Das hohe Nachkriegswachstum und die dadurch gut gefüllten Konzernkassen ließen dann aber immense Konglomerate entstehen: Sie vereinten zum Zweck der Risikostreuung verschiedene Geschäfte unter einem Dach. Doch die Konglomerate wurden mit der Zeit immer schwerfälliger. In den 80er-Jahren führte der Druck von Investoren zu ersten Aufspaltungen. Tatsächlich konnten hierdurch an der Börse oft Wertsteigerungen erzielt werden. Fortan dominierte wieder die Fokussierung: Firmen stießen Randgeschäfte ab und stärkten mit den Einnahmen ihr Kerngeschäft.

Ob dies weiterhin die bevorzugte Strategie sein soll, darüber streiten Berater und Managementexperten. Franz-Josef Seidensticker, Deutschland-Chef der Strategieberatung Bain, sieht keine Alternative zur Fokussierung: „Wir raten Unternehmen weiterhin, erst das Potenzial ihres Kerngeschäfts voll auszuschöpfen, bevor sie sich in neue Gebiete wagen.“ Bei Zukäufen sollten sie darauf achten, dass sie nah am Kern sind und diesen stärken, sagt Seidensticker. Übernahmen und Produkteinführungen seien schwierig genug zu managen: „Je weiter man sich vom Kern entfernt, desto größer ist das Risiko.“

Das wissen auch die Unternehmen. Doch viele definieren sich nicht mehr nur über einzelne Produkte oder Märkte, sondern auch über Managementkompetenzen, die in verschiedenen Geschäften eingesetzt werden können (siehe unten stehendes Interview). Jüngstes Beispiel ist die geplante Übernahme von Engelhard durch BASF: Der US-Konzern ist Spezialist für Fahrzeugkatalysatoren – bislang kein Produktkerngeschäft von BASF. Der Kauf könnte aber die Position von BASF als Zulieferer der Autobranche stärken. BASF-Chef Jürgen Hambrecht lehnt das Wort „Diversifikation“ im Zusammenhang mit der Engelhard-Übernahme ab: „Der Kauf ist Ausdruck unserer Fokussierung auf das, was wir am besten können.“

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