Wachwechsel
DIHK-Präsident Driftmann: Psychologe für die Wirtschaft

Es ist ein großer Tag für den "König der Flocken": Hans Heinrich Driftmann ist neuer Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er übernimmt den Posten in einer denkbar schwierigen Lage. Aber der Nachfolger von Ludwig Georg Braun ist mit allen Wassern gewaschen.

ELMSHORN. Hans Heinrich Driftmann schwärmt von den Müsli-Sorten seines Unternehmens: Zur Angebotspalette zählen die Geschmacksrichtungen "Multikorn Knusper-Schoko", "Knusper-Karamell", "Karibik", "Schoko" und "Schoko-Kirsch". Außerdem verkauft Driftmann mit den "Köllnflocken" den Klassiker unter den Haferflocken.

Künftig wird er sich verstärkt anderen Themen widmen müssen, etwa dem Steuerrecht, der Forschungsförderung und Exportkreditgarantien. Am Donnerstag wählte ihn die DIHK-Vollversammlung mit 96 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Ludwig Georg Braun, der acht Jahre an der Spitze des DIHK gestanden hatte.

Der Unterschied zwischen Driftmann und seinem Vorgänger könnte nicht größer sein - physiognomisch wie unternehmerisch. Dort der hagere Marathonläufer, Chef eines international agierenden Medizintechnik-Konzerns mit 38 000 Mitarbeitern, der sich mit der letzten Windung jeder steuerpolitischen Diskussion befasst, lieber im Hintergrund bleibt, den großen Auftritt meidet und von seiner Person möglichst wenig preisgibt. Auf der anderen Seite der Mann mit der kräftigen Statur, dem runden Gesicht und einer eher gemütlichen Ausstrahlung, der sich im Amt des Honorarkonsuls von Venezuela wohlfühlt, das er nebenher bekleidet; der gerne darauf hinweist, ihm sei einmal das Amt des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers angetragen worden; der ein Unternehmen leitet, das sich seit über 200 Jahren voll und ganz auf Haferflocken konzentriert - nicht mehr und nicht weniger.

Wer Driftmann allerdings voreilig zum ahnungslosen Provinzler abstempeln will, liegt falsch. In der norddeutschen Unternehmerszene ist er kein Unbekannter. Er engagiert sich vielfältig, ist seit März 2004 Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein sowie DIHK-Vizepräsident.

Driftmann, der früher einmal Pastor werden wollte, pflegt einen freundlich-ironischen Ton, der ihn befähigt, auch heikle Themen anzusprechen, ohne dass man es ihm übel nehmen würde. Driftmann besitze die Gabe, stets diplomatisch zu bleiben - und dennoch sehr klar Position zu beziehen, sagen Insider, die ihn seit Jahren kennen. Er schließe nicht aus, dass er im neuen Amt in Situationen komme, in denen er sehr deutlich werden müsse, sagt er selbst. "Aber ich bin kein Polterer."

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