Waffenhändler
Staatsanwaltschaft wirft Bout Geldgier vor

Beim Prozess gegen den mutmaßlichen Waffenhändler Victor Bout hat die New Yorker Staatsanwaltschaft offiziell Anklage erhoben. Er selbst plädiert auf Unschuldig - und hat gar nicht so geringe Chancen.
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New YorkIm Prozess gegen den als "Händler des Todes" bekannten mutmaßlichen russischen Waffenhändler Victor Bout hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch erstmals die Vorwürfe vor den Geschworenen vorgetragen.

Bout habe sich bereit erklärt, eine "ausländische Terrororganisation" mit einem riesigen Waffenarsenal auszurüsten, sagte Staatsanwalt Brendan McGuire vor der Jury eines Bundesgerichts in New York. Er habe die Waffen an Menschen liefern wollen, die ihm gesagt hätten, sie müssten US-Piloten töten. "Warum? Wegen des Geldes", sagte McGuire.

Bout, der auf unschuldig plädiert, wird unter anderem die Verschwörung zum Mord an US-Bürgern und die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der Russe soll versucht haben, den kolumbianischen FARC-Rebellen Raketen zum Abschuss von US-Flugzeugen sowie zahlreiche weitere Waffen und Munition zu verkaufen. Die vermeintlichen Rebellen, mit denen Bout in Kontakt stand, entpuppten sich aber als US-Geheimagenten.

Bout (44) erschien im schwarzen Anzug im New Yorker Gericht und drehte sich während der Verhandlung mehrere Male zu seiner Frau und Familienmitgliedern um, die zwischen den Prozesszuschauern und Vertretern der Medien saßen. Der Angeklagte muss sich wegen vier Verbrechen verantworten. Bei einem Schuldspruch drohen im mindestens 25 Jahre Haft.

Der frühere Offizier der russischen Armee wurde im März 2008 in der thailändischen Hauptstadt Bangkok festgenommen, nach langem Zögern lieferte Thailand ihn im vergangenen November an die USA aus. Bei einer Verurteilung droht Bout lebenslange Haft. Die Verteidigung Bouts wies alle Vorwürfe zurück. "Die einfache, sehr tiefe Wahrheit ist, dass Viktor Bout niemals Waffen verkaufen wollte, niemals die Absicht dazu hatte", sagte Anwalt Albert Dayan zu den Geschworenen. Sein Mandant sei "fälschlicherweise in unserem Land angeklagt, tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat."

Seine Anwälte argumentieren, dass sowohl die Festnahme in Thailand als auch die Auslieferung an die USA illegal waren. Auch aus Moskau gab es scharfe Proteste gegen das Verfahren. Im Prozess unter dem Vorsitz von Richterin Shira Scheindlin wird es voraussichtlich vier Wochen dauern, bis die Jury eine Entscheidung fällt.

Das von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgte Verfahren gegen Bout hatte am Dienstag mit der Auswahl der zwölf Geschworenen begonnen. Der Russe soll eine ganze Flotte von Frachtflugzeugen unterhalten und Waffen in Krisengebiete in Afrika, Südamerika, den Nahen Osten und nach Asien geliefert haben. Auch in Afghanistan soll er über Jahre verschiedene Kriegsparteien mit Waffen versorgt und dabei ebenfalls islamistische Terrorgruppen ausgerüstet haben.

Der schnurrbärtige Mann beherrscht angeblich sechs Fremdsprachen und verfügte in der Vergangenheit über verschiedene Tarnidentitäten. Sein schillerndes Leben diente als Vorlage für den Hollywood-Film "Lord of War - Händler des Todes" mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Bei dem Verfahren in New York geht es aber nur um die Vorwürfe im Zusammenhang mit den verdeckten Ermittlungen der US-Agenten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ich bitte Sie, man muss doch den Schein wahren und der Öffentlichkeit zeigen das man alles tut um der Welt Frieden, Gerechtigkeit und Glückseligkeit zu bringen ;).
    Darüber hinaus auch ein deutliches Signal an alle anderen Waffenhändler : Wer nicht nach unseren Regeln spielt wird ersetzt

  • Welch schmutziges Geschäft. Ich möchte nicht wissen, mit wievielen Typen dieses Kalibers die US-Regierung und die CIA zusammenarbeiten, um im eigenen Sinne Waffen in Konfliktregionen zu liefern. Wieviele US-Amerikaner durch diese Waffen im Laufe der Zeit getötet wurden - niemand weiss es...

    Wollte der hier evtl. nicht zusammenarbeiten oder war eine unliebsame Konkurrenz ? Hat er keine amerikanischen Produkte vertrieben ?

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