Waldbesitzer und Musiker
Der Mann, der Mick Jagger verrückt macht

Chuck Leavell ist der „fünfte Rolling Stone“. Nebenher vermarktet er seinen Wald. "Es spricht dauernd von Bäumen", sagt Mick Jagger, "das mach mich manchmal schon verrückt."

Eigentlich hat King George V. Schuld. Er sprach der württembergischen Familie Faulk um 1700 in der Neuen Welt, in der nach ihm benannten Kolonie Georgia, Land zu. Ohne den britischen König wäre Chuck Leavell nur ein bekannter Rockpianist – Holz würde er lediglich als Werkstoff für Klaviere kennen. So aber tourt Leavell nicht nur als Keyboarder mit den Rolling Stones um die Welt, sondern ist auch ein bedeutender Waldbesitzer.

In Hamburg nutzte Leavell den aktuellen Rolling-Stones-Auftritt, um über seine Leidenschaft als Forstwirt zu reden und dabei sein Buch „Forever Green“ vorzustellen. Den Rockstar lässt sich der ruhige Amerikaner dabei nicht anmerken. Seine Hände weisen ihn als Pianisten aus, doch seinem Gesicht fehlen die Furchen, die ein exzessives Rockstarleben mit sich bringen würde. Er spricht leise. Einen Abend später bringen die Stones in der Hamburger AOL Arena 45 000 Fans zum Toben.

Jetzt erzählt er, wie er Waldbauer wurde. Die Faulks, die das Land in Georgia erhielten, das ist die Familie seiner Frau Rose Lane. Der 51-Jährige hat sie vor genau 30 Jahren geheiratet. Die Faulks halten ihr Land noch heute zusammen. „Doch darüber habe ich mir jahrelang keine Gedanken gemacht“, erinnert sich Chuck. Der Sohn eines Versicherungsvertreters aus Alabama spielte damals in der Band der Allman Brothers.

Die Wende kam 1981. Die Großmutter von Rose Lane starb und hinterließ ihnen 480 Hektar Land und einen Haufen Erbschaftsteuerschulden. Was sollte mit dem Land werden? Die zeitaufwendige Landwirtschaft oder Viehzucht kamen für den Musiker nicht in Frage. Da gab sein Schwager Alton den Rat: „Versuch es mit Wald.“

Und da Chuck alles, was er anpackt, gründlich macht – wie sein Freund, US-Senator Zell Miller, meint – studierte er Forstwirtschaft. Im Fernstudium büffelte er zwischen den Auftritten der texanischen Blues-Band „Fabulous Thunderbirds“ – im Bus, im Hotel und hinter der Bühne.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für seine Arbeit auf dem auf 800 Hektar angewachsenen Besitz „Charlane Plantation“ heimste Leavell vier Preise des Staates Georgia ein. 1999 wurde er sogar zum „National Outstanding Tree Farmer of the Year“ der USA ernannt.

Für seinen Freund Michael Prinz zu Salm-Salm ist dies keine Überraschung: „Chuck engagiert sich in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Dabei wird nur so viel Holz geschlagen, wie nachwächst“, weiß der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Erstmals getroffen haben sich der Prinz und der Rockpianist im Wald – wo sonst? Dass der Prinz nicht nur Fan der Rolling Stones ist, sondern neben dem Waldbau auch noch ein Prädikatsweingut besitzt, schätzt Leavell. Einem guten trockenen Riesling ist er nicht abhold, was der Freundschaft eine profunde Basis verleiht.

„Mick Jagger und Keith Richards von den Stones haben sich nur anfangs über meine besonderen Interessen gewundert“, beschreibt Leavell seine Arbeitskollegen. Jagger formuliert es drastischer: „Chuck redet auf unseren Touren dauernd über Bäume – das macht mich manchmal schon verrückt.“ Aber er habe dadurch schon einiges zum Bewusstsein für den Umweltschutz beigetragen, ergänzt Jagger in Chucks Buch versöhnlich.

Doch Leavell ist kein „Müsli-Grüner“, der den naturbelassenen Wald propagiert. Für das Aufforsten mit Nadelbäumen wird er von Besuchern seiner Plantage kritisiert, die die Monokultur beklagen. Auf der Plantage werden bis zu zwölf Gäste beherbergt, Jagdausflüge auf Enten, Truthühner und Hirsche veranstaltet, Ausritte angeboten.

Hat Leavell jetzt genug Land? „Es reicht“, meint die blonde Rose Lane. Und außerdem: Ringsum liegen die Ländereien von betagten Onkeln und Tanten. Da wird es nicht bei 800 Hektar bleiben.

Und was ist mit den Stones? Leavell, oft der „Fünfte Rolling Stone genannt“, ist mit seiner ruhigen Art der gute Geist der Truppe. „Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass wir aufhören. Wenn Keith gefragt wird: Wie lange wollt ihr weitermachen, dann sagt er immer: ,I don’t know, we are still pushing.’“

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