Walter Deuss ringt vor Gericht um seine Privilegien
Lebenslänglich Vorstandschef

Walter Deuss hat schlechte Presse. „Deutschlands gierigster Manager“ titelt die Boulevardzeitung Bild, „Der Luxus-Rentner“ das Magazin Stern. Eigentlich eine Lappalie – es geht um 15 000 Euro –, doch sie erhitzt die Gemüter.

HB DÜSSELDORF. Der Ex-Karstadt-Quelle-Chef klagt vor dem Landgericht Essen gegen seinen früheren Arbeitgeber. Karstadt-Quelle soll auch künftig die Überstunden seines Chauffeurs bezahlen. Prozessauftakt ist heute, 12 Uhr Ortszeit, Saal 386 A.

Warum bricht Deuss, der einst als „Mister Karstadt“ hohen Respekt genoss, einen Rechtsstreit vom Zaun, bei dem er Gefahr läuft, moralisch ins Abseits zu geraten?

„Es geht um’s Prinzip. Ein einmal geschlossener Vertrag ist einzuhalten“, sagte Walter Deuss gestern dem Handelsblatt. Für sein Rechtsbegehren an den öffentlichen Pranger gestellt zu werden, das hat der Mann, der in seinen 18 Jahren an der Konzernspitze als sozialer Manager galt, „nicht erwartet“. „Aber die Aufregung hätte mich auch nicht davon abgehalten zu klagen“, sagte Deuss.

Persönlich erscheinen will Deuss dennoch nicht heute vor Gericht. Der 70-jährige Spross einer Bankiersfamilie lässt sich durch seinen Anwalt, den Arbeitsrechtler Wilhelm Moll, vertreten. Ein schlechtes Gewissen gegenüber Mitarbeitern habe er nicht: „Ich fordere nur das ein, was mir vertraglich vor fünf Jahren zugestanden wurde.“ Im Auflösungsvertrag vom 4. Januar 2001 soll stehen, dass er Anspruch auf Firmenwagen und Fahrer wie bisher hat – also rund um die Uhr.

Im Landgericht hätte ihn eine Hand voll Betriebsräte erwartet, die auf Anfrage „völliges Unverständnis“ gegenüber Deuss’ „Pochen auf Privilegien“ äußerten. Auch Konzernsprecher Jörg Howe hat sich angekündigt. Schon im Vorfeld des Prozesses hatte sich Howe in Boulevardsendungen zum Fall geäußert. „Es ist recht und billig, dass die Überstunden des Fahrers nicht bezahlt werden. In der Restrukturierung müssen alle den Gürtel enger schnallen.“ Dass am grundsätzlichen Recht des Ex-Chefs auf seinen Dienstwagen, aktuell ein BMW 745i in der Langversion, samt Chauffeur zu rütteln ist, daran glaubt selbst in der Essener Zentrale niemand.

Ein Exempel statuiert werden sollte auch an vier weiteren früheren Vorständen. Reinhard Koep, Heinz Plagge, Jürgen Krüger und Karl-Heinz Schmidt traf der Sparwille im Karstadt-Quelle-Konzern noch ärger. Ihnen wurden Dienstwagen und Fahrer ganz gestrichen. Ihre Vertreter werden im Landgericht neben Deuss’ Anwalt auf der Klägerbank sitzen. Insgesamt geht es für Karstadt-Quelle um mögliche Einsparungen von 230 000 Euro.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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