Walter Raizner wechselt von IBM zur Telekom
Rickes Dunkelblauer

Der Mann ist wie ausgewechselt. Gelöst und locker gibt sich IBM-Deutschland-Chef Walter Raizner Ende Juli bei einer Mitarbeiter-Tagung des Konzerns. Und, vollkommen ungewöhnlich für den ansonsten sachlichen und eher introvertierten Manager: „Der hat sogar Witze gerissen und ist als einer der Letzten gegangen“, erinnert sich ein Teilnehmer.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Und das alles, obwohl es für Champagnerlaune keinen Anlass gibt: Die Zahlen sind schlecht, die Deutschland-Tochter des Technologieriesen hat mal wieder einige Vorgaben der US-Konzernzentrale nicht erreicht.

Seit vergangenem Freitag ist der Grund für seine gute Stimmung klar. Raizner verhandelte offenbar schon damals hinter den Kulissen über einen der einflussreichsten Jobs, den die Deutsche Telekom zu vergeben hat: den Chefposten der Festnetzsparte, der größten und wichtigsten Säule des Bonner Konzerns. Raizner bekommt diese Stelle ab 1. November und sticht interne Kandidaten wie Thomas Holtrop, Chef der Internettochter, aus. Der Job war frei geworden, als Josef Brauner Ende März wegen der Probleme mit der LKW-Maut abtrat.

Den Deutschland-Chef von IBM zu seinem Nachfolger zu küren ist auf den ersten Blick nicht besonders nahe liegend: Raizner ist einer, der sein gesamtes Berufsleben mit Großkunden zu tun hatte – bei der Telekom soll er sich aber um das Massengeschäft kümmern.

Auf den zweiten Blick waren es vermutlich zwei Dinge, die für den 50-Jährigen gesprochen haben. Zum einen erscheint Raizner als der richtige Mann, um den Vertrieb der Telekom zu reformieren. Bei IBM hat Raizner bereits mit einem solchen Umbau begonnen, damit es für alle Produkte nicht mehr verschiedene Organisationen, sondern nur noch einen Ansprechpartner gibt. Die Telekom will eine ähnliche Richtung einschlagen. Und zum anderen kennt er sich in Großunternehmen aus, weiß, wie sie ticken, hat Erfahrung mit Hierarchien.

Seit 20 Jahren arbeitet er bei dem weltweit größten Computerkonzern. Er kennt alle Facetten des IT-Geschäfts: Marketing, Vertrieb, Produktion bis hin zur weltweiten Verantwortung für die Strategie im Geschäft mit elektronischen Datenspeichern. Er hat zudem die Kaderschmiede in der US-Konzernzentrale durchlaufen, wo Manager für höhere Aufgaben geformt werden. Herausgekommen ist das, was man IBM-intern einen „Dunkelblauen“ nennt – einen, der den Corpsgeist verinnerlicht hat. „Raizner ist aus Sicht der IBM-Zentrale ein idealer Manager: loyal bis zur Willfährigkeit“, berichtet ein Kollege. Kein Wunder, dass die Wahl auf Raizner fiel, als IBM vor eineinhalb Jahren die deutsche Tochter stärker an sich binden wollte. Er beerbte daher Erwin Staudt.

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