Warum der Börsenchef zurücktrat
Analyse: Landung in der Wirklichkeit

Noch vor einigen Wochen war Werner Seifert ganz der Alte. Nach der Bekanntgabe seines Plans, für die Deutsche Börse AG ein Aktionärskomitee einzurichten, wagte doch ein Journalist die kesse Frage, was ihn denn auf einmal dazu bewogen habe, auf seine Aktionäre zu hören. Seifert blaffte zurück: „Das ist eine unverschämte Frage. Ich habe immer Wert auf meine Aktionäre gelegt.“

HB FRANKFURT. Die sahen das offensichtlich anders, und eigentlich hätte Seifert das schon damals merken können. Zu dieser Zeit hatte er seinen ersten Rückzug in diesem Jahr schon hinter sich. Erneut platzte sein großer Traum, die Londoner Börse zu übernehmen – nach einer Revolte eines großen Teils seiner Anteilseigner, die sich von seinen Plänen überrollt fühlten.

Gestern musste der Schweizer nun zum zweiten Mal in wenigen Wochen seine Niederlage eingestehen. Es bleibt die letzte seiner Amtszeit. Werner G. Seifert gab dem Druck seiner Aktionäre nach und trat von seinem Amt als Vorstandschef der Deutschen Börse zurück.

Eigentlich musste es so kommen. Und dennoch: Dass ein Manager von Seiferts Format auf diese Weise gehen muss, ist tragisch. Der 55-jährige Spieltheorie-Anhänger hat mehrfach bewiesen, dass er kreativ und intelligent genug ist, Entwicklungen in der europäischen Börsenlandschaft richtig einzuschätzen.

Daran, dass er ein fähiger Manager ist, haben auch seine Feinde nie einen Zweifel gelassen. Als er 1987 von der Unternehmensberatung McKinsey als Generaldirektor zur Versicherung Schweizer Rück nach Zürich wechselte, verdreifachte er das Erstversicherungsgeschäft auf über 10 Milliarden Franken. Er fädelte zudem die erste Fusion in der eidgenössischen Assekuranzbranche ein. Wenig später wurden die Frankfurter auf den begabten und ehrgeizigen Manager aufmerksam, als sie 1993 einen Nachfolger für Börsenchef Rüdiger von Rosen suchten.

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