Warum der Chef des zweitgrößten britischen Versicherers Prudential gewaltig wackelt
Die Stilblüten des Jonathan Bloomer

Jonathan Bloomer kämpft um seinen Job. Die Aktie des zweitgrößten Versicherers Prudential fällt seit Wochen, die Investoren sind aufgebracht. Sie nörgeln über mangelnde Kommunikation, und sie kritisieren die jüngste Entscheidung des Group Chief Executives.

LONDON. „Wenn sich herausstellt, dass das kein Erfolg wird“, räumt Bloomer in den britischen Medien selbstkritisch ein, „dann wäre ich wohl nicht mehr lange in diesem Job.“ Das war im März 2001. Wenig später sagt Prudential die von ihrem Chef Bloomer angesprochene Übernahme des texanischen Versicherers American General im Wert von gut 18 Milliarden Pfund ab. Bloomer bleibt dennoch im Amt.

Am Dienstag findet sich der studierte Physiker in der gleichen Situation wieder. Erneut kämpft er um sein Amt. Und abermals sind die Investoren aufgebracht. Sie beklagen dürftige Informationen aus der Zentrale in London. Diesmal fordern Vertreter mächtiger Fonds Bloomers Kopf. Bei Fidelity, Schroders und Legal & General – zehn Prozent des Kapitals – ist man mit der Geduld am Ende.

Stein des Anstoßes ist diesmal eine überraschende Kapitalerhöhung von einer Milliarde Pfund, aber es geht um deutlich mehr: Die Investoren haben genug von Bloomer und seinem Schlingerkurs. Zu oft in den vergangenen Jahren hat der in West Bromwich in den britischen Midlands geborene Manager die Aktionäre vergrault.

Gescheitert ist Bloomer nicht nur mit dem damaligen Versuch, die US-Tochter Jackson Life und American General zu fusionieren. Ein Jahr später musste der Versicherer zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg seine Dividende kürzen – und das um 40 Prozent. Dieser Schritt kam noch schlechter an, weil Bloomer im Vorfeld versichert hatte, sein Institut wolle die jährlichen Ausschüttungen weiter steigern.

Später musste der Chef unter dem Druck der Aktionäre ein umstrittenes Gehaltspaket zurücknehmen, dass seinem Vorstand üppige Millionenprämien zugesichert hätte. Die bis dato letzte Niederlage datiert aus dem August dieses Jahres, als Bloomer den Mehrheitsanteil der Onlinetochter Egg wieder vom Markt nehmen musste. Eine mehrmonatige Auktion hatte trotz diverser Interessenten nicht zu einem für Prudential befriedigenden Ergebnis geführt. Gerüchte, wonach der CEO einen zu hohen Preis verlangt hatte, dementierte er jedoch ausdrücklich.

Die jüngste Kapitalerhöhung drohte das Fass zunächst zum Überlaufen zu bringen. Erregt stellten die Aktionäre fest, dass sie nur wenige Monate nach der Aussage des Spitzenmanagements kam, wonach die Firma kein zusätzliches Geld benötige. Und das Geld soll auch noch für den heimischen Markt verwendet werden – doch noch vor einem halben Jahr hatte sich Bloomer skeptisch über die Aussichten im Königreich geäußert.

„Noch ein Fehltritt, und er sieht die rote Karte“, sagt deshalb Roman Cizdyn, Analyst bei der Commerzbank. Und er steht mit seiner Meinung nicht alleine da.

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