Was verurteilte ehemalige Top-Manager alles tun, um in einem Komfort-Gefängnis unterzukommen
Im Knast mit Tennisplatz

Amerikas einstige Top-Manager Scott Sullivan von Worldcom, Sam Waksal von Imclone und Dennis Kozlowski von Tyco haben manches gemeinsam: Nicht nur betrogen sie ihre Anleger um Millionen von Dollar, auch müssen die Herren, die normalerweise im Nadelstreifenanzug zur Arbeit gefahren werden, sich dieser Tage mit dem Gedanken anfreunden, in welchem Gefängnis sie es sich bequem machen wollen.

LOS ANGELES. Doch die Vereinigten Staaten machen ihrem Ruf vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten mal wieder alle Ehre. Zumindest aus dem Blickwinkel der Anzug-Gangster. Die verurteilten Damen und Herren der oberen Büroetagen können sich nämlich so genannten Knast-Beratern anvertrauen. Meist sind das hochbezahlte Anwälte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit dem Gesetz in Konflikt geratene Führungskräfte in Gefängnissen mit angenehmen Klima – und wenn möglich – einem angrenzenden Tennisplatz unterzubringen.

Einer von diesen Beratern ist Herb Hölters. Der ehemalige Sozialarbeiter engagiert sich seit 25 Jahren für die gemeinnützige Organisation National Center in Institutions and Alternatives (NCIA). Seine Spezialität: kriminelle Top-Manager. Und was rät Hölters seinen Klienten?

„Zunächst einmal kommt es darauf an, ob ein verurteilter Manager mehr oder weniger als zehn Jahre Gefängnis aufgebrummt bekommt“, erzählt der Berater. Ein kleiner, aber sehr wichtiger Unterschied. Haben doch Klienten mit einem Urteil von weniger als zehn Jahren Gefängnis Anrecht auf ein Gefängnis-Camp. Hier gibt es weder Zaun noch Zellenblock, die Insassen dürfen sich frei bewegen und fühlen sich nicht wie eingezäunte Tiere.

Als nächstes versuchen die Knast-Berater, auf die weiteren Wünsche ihrer Kunden einzugehen. Heimatnähe ist viel gefragt. Da hilft es dann schon, „wenn ein Familienangehöriger bereit ist, den Verurteilten zum Gefängnis zu fahren“, berichtet Hölters. So bleibt nämlich den Staatsangestellten der oftmals mühsame Weg mit dem Gefängnisbus zum Heimatort des Verurteilten erspart.

Auch nach dem Urteilsspruch beschäftigen prominente Kriminelle ihren Anwalt dann oft noch weiter. Die Argumente der Rechtsberater: „Unser Klient muss in der Nähe seiner kranken Mutter sein. Er braucht außerdem eine spezielle Diät.“ Denn er weiss, nur ein paar ausgewählte Gefängnisse in den USA können diesen Service bieten.

Alfred Taubman, der ehemalige Chairman von Sotheby’s, wegen Manipulationen zu einem Jahr verurteilt, wandte diese Taktik auf Anraten seines Knast-Beraters an. Mit Erfolg: Er durfte seine Zeit immerhin in der medizinischen Fakultät von Rochester im US-Bundesstaat Minnesota absitzen.

Einmal im Gefängnis angekommen, müssen die einst mächtigen Manager Verhaltensregeln beachten, die ihnen den Aufenthalt im Bau erleichtern. Regeln, die sie als Top-Executives souverän missachten konnten, werden auf einmal überlebenswichtig.

David Novak, der wegen eines Versicherungsbetrugs neun Monate im Gefängnis von Eglin – ob seiner luxuriösen Ausstattungen oftmals auch als „Club Fed“ bezeichnet – verbrachte, hat zu diesem Thema sogar ein Buch veröffentlicht. Seine Tipps für Manager: Niemals jemanden verraten, immer hinten anstellen, keine Fragen stellen, nichts anfassen, die Knast-Schulden immer pünktlich bezahlen, nicht meckern: „Wenn man diese Faustregeln beachtet, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.“

Barry Minkow musste fast acht Jahre in einem Gefängnis in New York verbringen, weil er Investoren seiner Firma betrog. Er kann nach dem Abschluss seiner „Knast-Karriere“, wie er es ironisch nennt, sogar etwas Positives in dieser Erfahrung entdecken. „Im Gefängnis habe ich 20 Pfund abgenommen, weil ich endlich mal wieder aktiv sein konnte. Viel Sport, gesundes Essen. Im Job war mir das noch unmöglich“, sagt Minkow. Sein Ratschlag für die White-Collar-Banditen: „Don't fail in Jail.“

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