„Was wollen Sie von mir?“
Luftfahrt-Pate Bischoff ist tot

Die Luftfahrtbranche hat ihn gefürchtet, aber nie wirklich gekannt. Sie hielt ihn für unsäglich geizig und überaus erfolgreich – vor allem aber für unberechenbar: Hinrich Bischoff blieb diesem Attribut treu bis in die letzten Stunden.

FRANKFURT. Sein Lebenswerk, Deutschlands größte Flugzeugleasingfirma Germania, legte er ausgerechnet in die Hände eines langjährigen Intimfeindes: Kurz bevor der 69-jährige Bischoff am Freitag nach schwerer Krankheit verstarb, saß Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Sterbebett und unterschrieb einen Vertrag zur Fortführung des Germania-Betriebs mit 44 Flugzeugen. Vor kurzer Zeit sei es „unter dem Druck der ausländischen Billigkonkurrenz zu einer Annäherung zwischen beiden gekommen“, heißt es bei Air Berlin.

Annäherung – das will etwas heißen bei einem Mann wie Bischoff, den das „Manager-Magazin“ als „Phantom der Rollbahn“ bezeichnete. Obwohl er rund um seine frühere Charterfluggesellschaft Germania längst ein stattliches Vermögen angehäuft hatte, das Kenner auf etwa 500 Millionen Euro schätzen, schaffte es Bischoff, unerkannt zu bleiben wie kein zweiter Luftfahrtmanager. Pressegespräche? Fehlanzeige. Auf zahlreiche Anfragen gab es nur die eine Antwort: „Was wollen Sie von mir?“

Wenn der Kunstsammler mal öffentlich auftrat wie zuletzt im März, kam er mit Pullover, Baumwollhose und abgewetzter Aktentasche. Als er mit Hans-Rudolf Wöhrl die Mehrheitsübernahme der Fluglinie DBA bekannt gab, täuschte die Kleiderordnung: Modeunternehmer Wöhrl kam als Bittsteller, Bischoff als reicher Luftfahrtpate. Kaum vier Monate später wurde der Deal – typisch Bischoff – rückgängig gemacht. Der Schattenmann stieß bei der Pilotenvereinigung Cockpit in Sachen Gehaltsanpassung auf taube Ohren. Die Abneigung gegen Gewerkschaften teilt er mit seinem unternehmerischen Erben Hunold.

Bischoff hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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