Web-2.0-Guru Jason Calacanis: Geschniegelt und gescheitelt

Web-2.0-Guru Jason Calacanis
Geschniegelt und gescheitelt

So könnte Schwiegermutters Liebling aussehen. Streng gescheitelt und mit Gel in Form gehalten die Frisur, konservativ die Kleidung mit beigefarbener Hose und Pullover. Wer Jason Calacanis nicht kennt, könnte ihn für einen Wirtschaftsprüfer oder Beamten halten. Er widerspricht jedem Klischee eines Web-2.0-Gurus – sein Erfolgsgeheimnis?

PARIS. Das dauert so lange, bis man das erste Mal von einem Redeschwall aus seinem Mund überflutet wird. Denn zwei Dinge, die kann der Amerikaner mit den griechischen Wurzeln nicht: kurz und langsam. Wenn er redet, dann redet er so lange, bis der Gesprächspartner überredet oder überzeugt ist. Zum Beispiel von seiner Suchmaschine Mahalo. Oder von seiner Mission, das Internet vor der Vermüllung zu bewahren.

In Deutschland ist der 38-jährige, geborene New Yorker nur in der Web-Szene bekannt. Das verwundert, ist er doch schon seit 1993 in Internetkreisen aktiv. Nach dem Psychologie-Studium treibt er sich in der New Yorker Web-Szene umher, der „Silicon Alley“. Vier Jahre später gründet er sein erstes Unternehmen: Der „Silicon Alley Reporter“ wird zur Hauspostille der Netz-Branche an der US-Ostküste.

Rising Tide – aufsteigende Flut – heißt sein Verlag, die New Economy trägt ihn empor. Aus 16 fotokopierten Seiten wächst der „Reporter“ auf 300 Seiten in Hochglanz und erhält ein Schwesterblatt im Westen, den „Digital Coast Reporter“. „Cowboy der Silicon Alley“ nen-nen viele Calacanis. Weil er sich für eine Reportage im „New Yorker“ ganz in Schwarz ablichten lässt. Und weil er schnell zieht bei Rededuellen. Mit reichlich Ironie vergleicht er sich mit den Großen der Wirtschaft, etwa dem Disney-Chef und einem Medien-Mogul: „Ich weiß nicht, warum ich nicht der nächste Michael Eisner oder Barry Diller sein sollte – einer muss es doch werden.“

Szenenwechsel: eine Internet-Konferenz in Paris. Calacanis ist mehr damit beschäftigt, zu winken und zu grüßen, als sich auf sein Gespräch zu konzentrieren. Jason kennt jeden, jeder kennt Jason – auch wenn ihn nicht jeder mag. Calacanis hat reichlich Gegner – wie das Szeneblog Valleywag –, die ihn für ein Großmaul halten. 2007 krachte es mit Dave Winer, dem Web-Vordenker. Eine Wortmeldung während Calacanis’ Vortrag auf einer Konferenz artete in ein übles Wortgefecht aus. Streit geht Calacanis wahrlich nicht aus dem Weg.

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