Web.de drängt Ex-Chef der Regulierungsbehörde aus dem Aufsichtsrat
Scheurle soll Mandat abgeben

Der Aufsichtsrat des Karlsruher Internet- Portals Web.de hat den Managing Director der Credit Suisse First Boston in Frankfurt gebeten, sein Mandat im Aufsichtsrat niederzulegen.

HAMBURG. Früher ermahnte der Mann stets die deutsche Telekommunikationsbranche, sich für mehr Wettbewerb und Selbstkontrolle einzusetzen: Klaus-Dieter Scheurle, Ex-Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post.

Nun wurde der 49-jährige Manager selber gemaßregelt: Der Aufsichtsrat des Karlsruher Internet- Portals Web.de hat den Managing Director der Credit Suisse First Boston in Frankfurt gebeten, sein Mandat im Aufsichtsrat niederzulegen. Grund: Scheurle übernahm am Donnerstag vergangener Woche – wie vorgesehen – einen Sitz im Aufsichtsrat des konkurrierenden Hamburger Online- und Festnetzanbieters Freenet. „Der Aufsichtsrat von Web.de hat hier verschiedene Konfliktfelder gesehen“, betonte ein Web.de-Sprecher.

Hintergrund ist, dass sich die Mobilcom-Tochter Freenet und Web.de dem Corporate-Governance-Kodex unterworfen haben. Das Regelwerk verlangt, dass Aufsichtsratsmitglieder „keine Organfunktion oder beratende Tätigkeit bei wesentlichen Wettbewerbern“ ausüben sollten. Dabei handelt es sich zwar um eine Empfehlung, doch müssen Aktiengesellschaften Verstöße im Geschäftsbericht aufzeigen. „Mir wäre es sogar am liebsten, eine solche Doppelung wäre verboten“, erklärte hierzu noch kürzlich Theodor Baums, der für den Bund eine Corporate-Governance-Kommission geleitet hatte.

Das Handelsblatt hatte Mitte Mai die Doppelfunktion Scheurles kritisch beleuchtet. Weder Freenet noch Web.de hatten damals Probleme gesehen. Eine Freenet-Sprecherin betonte, dass „Aufsichtsratsmitglieder innerhalb ihres Mandats zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet“ seien. Auch Web.de wiegelte ab: Es gäbe keine Interessenkonflikte. Nun ist bei den Betroffenen ein Sinneswandel eingekehrt: Doch weder Freenet noch Scheurle wollten sich äußern. Scheurle erklärte nur: „Kein Kommentar.“

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