Wechsel an der Spitze der New Yorker Börse
Thain wird neuer NYSE-Chef

Die New Yorker Börse (NYSE) will mit dem Goldman-Sachs-Manager John Thain an der Spitze die Führungsskandale der Vergangenheit hinter sich lassen.

HB NEW YORK. Thain bestätigte diese Entscheidung in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Topmanager gilt als ausgewiesener Kenner der Wall Street. Er wird nach eigenen Worten am 15. Januar die Nachfolge von John Reed antreten, der nach dem Rücktritt von Richard Grasso im September als Interims-Chef tätig war.

„Der neue Posten ist eine große Herausforderung und eine große Möglichkeit“, sagte Thain in dem Interview. Man suche nun nach einem neuen Vorsitzenden. Bislang hatte sein Vorgänger Reed beide Funktionen in Personalunion inne. Als Folge des Führungsskandals hatte die Nyse Reformen zur Unternehmensführung beschlossen, die die US-Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC am Mittwoch gebilligt hatte.

Danach sollen die Funktionen des Vorsitzenden und des Börsenchefs künftig voneinander getrennt sein. Der Aufsichtsrat wird von 27 auf acht verkleinert. Die Ernennung Thains gilt als weiterer Schritt in einer Reihe von Veränderungen. Die Krise hatte der frühere Börsenchef Grasso ausgelöst, der im September wegen der umstrittenen Höhe seiner Pension den Chef-Sessel räumen musste.

„Die Nyse dürfte jetzt besser in der Lage sein, sich gegen die Machtkonzentration in den Händen einer Person zu schützen“, sagte SEC-Chef William Donaldson. Institutionelle Anleger äußerten sich jedoch kritisch. Die Aufsichts-und Geschäftsfunktionen seien noch immer nicht voneinander getrennt, sagte Sean Harrigan, Präsident des größten US-Pensionsfonds für Beamte (Calpers).

Calpers hatte tags zuvor die Nyse und sieben Kursmaklerfirmen wegen Betrugs verklagt und die Rückzahlung von mindestens 150 Mill. Dollar (rund 120 Mill. €) gefordert. Diese Summe hätten Investoren auf Grund unzulässiger Handelspraktiken der sieben Firmen verloren. Die Nyse habe dies geduldet, lautet der Vorwurf.

Im kommenden Jahr will sich die SEC andere Aspekte der Reed- Reformen näher anschauen, darunter das von den Kursmaklern kontrollierte Handelssystem. Ihre Aufgabe besteht darin, Kauf-und- Verkaufsorders auszugleichen.

Der frühere Vizevorsitzende des Anlagefonds Fred Alger Management Inc, James Connelly, wurde am Mittwoch wegen Unterschlagung von Beweismaterial zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Er ist der fünfte Fondsmanager, der im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Branche bestraft wird. Connelly hatte zugegeben, Mitarbeiter mit der Vernichtung von E-Mails über unzulässige Geschäfte mit dem Hedge- Fonds Veras Investment Partners LLP beauftragt zu haben. Die Höchststrafe hätte bis zu vier Jahre Haft betragen. Derzeit laufen Untersuchungen gegen mehr als 20 Firmen.

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