Wechsel an der Spitze
Gesamtmetall-Chef Kannegiesser will nicht mehr kandidieren

Beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall steht ein Wechsel an der Spitze bevor. Nach zwölf Jahren will Präsident Martin Kannegiesser sein Amt niederlegen. Ein Nachfolger steht schon fest.
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StuttgartGesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser will sein Amt in die Hände eines jüngeren Nachfolgers geben und nicht erneut kandidieren. Der 70-jährige Unternehmer werde der Mitgliederversammlung im September Rainer Dulger, den Präsidenten von Südwestmetall, als seinen Nachfolger vorschlagen, wie der Regionalverband am Freitag mitteilte. "Mit unserem bisherigen Vizepräsidenten Rainer Dulger steht ein kompetenter Nachfolger bereit, der Kontinuität und Modernität verbindet", sagte Kannegiesser. Das Gremium kommt am 14. September in Magdeburg zusammen.

"In der Tarifrunde 2012 hat er als Verhandlungsführer und Vorsitzender von Südwestmetall gezeigt, dass er auch unter schwierigsten Bedingungen souverän verhandeln und komplexe Themen konstruktiv lösen kann", lobte Kannegiesser seinen designierten Nachfolger. Die IG Metall wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Mit dem Verzicht Kannegiessers endet eine Ära. Zwölf Jahre steht er inzwischen dem Verband vor. In die Zeit fallen zahlreiche wichtige Abschlüsse und tarifpolitische Weichenstellungen. So verhandelte er 2004 das sogenannte Pforzheimer Abkommen, mit dem der Flächentarifvertrag durch betriebliche Ergänzungstarifverträge geöffnet wurde.

2010 suchten er und IG-Metall-Chef Berthold Huber mitten in der Wirtschaftskrise schnell den Schulterschluss. Dabei einigten sie sich auf eine moderate Tariferhöhung um 2,7 Prozent und eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen, damit die Unternehmen auf die Krise reagieren konnten.

Als Unternehmer baute Kannegiesser die gleichnamige Firma seines Vaters aus Ostwestfalen zu einer der weltweit führenden Marken in der Bekleidungstechnik und zum Marktführer für Fixiermaschinen aus.

Zwtl.: Dulger will Industrie für Herausforderungen rüsten

Der 48-jährige Dulger ist Geschäftsführender Gesellschafter der Heidelberger ProMinent Dosiertechnik. Im Frühjahr hatte er den bundesweit wichtigen Metall-Pilotabschluss in Baden-Württemberg verhandelt. "Ich freue mich nun darauf, in neuer Verantwortung daran mitarbeiten zu dürfen, die deutsche Metall- und Elektroindustrie für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu rüsten", sagte er am Freitag.

Der smarte, in Heidelberg geborene Dulger kennt sich auch in der Abteilung Attacke aus. Erst vor einer Woche kritisierte er IG Metall und Politik für ihr Verhalten nach dem Tarifabschluss scharf. "Schon die in der Metall- und in der Zeitarbeitsbranche gefundenen tariflichen Regelungen werden dazu führen, Zeitarbeit in unseren Mitgliedsbetrieben zurückzudrängen", sagte er bei einer Mitgliederversammlung des Verbands.

Deswegen habe er kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung mit einer gesetzlichen Regelung zur Zeitarbeit drohe und auch die IG Metall bei diesem Thema noch keinen Frieden wolle. "Können wir als Tarifpartei wirklich noch frei entscheiden, wenn uns die Politik wie bei der Zeitarbeit die Pistole auf die Brust setzt?" fragte Dulger.

Seine Nachfolge im Regionalverband soll der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers ElringKlinger, Stefan Wolf, antreten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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