Wechsel angedeutet
RAG-Chef Müller will lieber Stiftung führen

Der Vorstandsvorsitzende des Mischkonzerns RAG, Werner Müller, hat einen Abschied vom Tagesgeschäft angedeutet: Er denke darüber nach, seinen Posten noch in diesem Jahr aufzugeben und stattdessen jene Stiftung zu leiten, die den „weißen“ Bereich der RAG an die Börse bringen und den Ausstieg aus der Kohleförderung abwickeln soll.

HB ESSEN. In die Stiftung soll der Erlös aus dem Börsengang des weißen Bereichs aus Chemie, Energie und Immobilien eingezahlt werden. Aus diesem Vermögen sollen künftig die so genannten Ewigkeitskosten des Bergbaus, Schäden beispielsweise durch Einbrüche von alten Stollen, bestritten werden.

Müller will nach dem Bericht des „Spiegels“ gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender dieser Aktiengesellschaft, intern Weiß AG genannt, und des Kohlebereichs, der so genannten Schwarz AG, werden. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung solle laut Satzungsentwurf wie der Vorstandschef eines im Aktienindex Dax notierten großen Unternehmens bezahlt werden. Auf die Frage, ob das nicht ein bisschen viel sei, sagte Müller: „Gewiss nicht. Denn der Stiftungsvorstand hat die große Aufgabe, das Stiftungsvermögen um einige Milliarden zu vermehren. Und er muss dafür sorgen, dass die Abwicklung des Bergbaus in geordneten Bahnen verläuft.“

Die Stiftung könne schnell gegründet werden, wenn Einigung über die Satzung bestehe, erklärte Müller. Das Eigentum der Weiß AG könne aber erst dann endgültig auf die Stiftung übergehen, wenn das Kohlefinanzierungsgesetz durch den Bundestag und im Bundesgesetzblatt veröffentlich sei, betonte er. „An dem Tag muss ich dann die Führung der RAG abgeben, falls man mich in der Führung der Stiftung wünscht.“ Nach Müllers Vorstellungen sollen dem Kuratorium der Stiftung die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und des Saarlands, der Bundesfinanz- und der Bundeswirtschaftsminister, der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie sowie die Betriebsratsvorsitzenden der Weiß AG und der Schwarz AG angehören. Dazu sollen vier weitere Mitglieder kommen.

Die Stiftungssatzung muss nach Müllers Worten „gewährleisten, dass sich der Konzern politikfrei entwickeln kann“. Wenn dieses Kuratorium so angelegt werden sollte, jederzeit in die Weiß AG hineinzuregieren, dann wären die Gutachten über deren Börsenwert Makulatur. Der geplante Börsengang wäre theoretisch noch in diesem Jahr, im November oder Dezember, möglich. Es stelle sich die Frage, ob es nicht besser wäre, noch den Jahresabschluss abzuwarten, sagte Müller.

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