Wechsel bei der Société Générale
Daniel Bouton: Der Letzte seiner Art

Er musste massive Kritik einstecken - jetzt beugt er sich dem öffentlichen Druck. Daniel Bouton, Verwaltungsratschef und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Société Générale, räumt seinen Posten. Eine Ära voller Skandale und Konflikte geht zu Ende.

PARIS. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet, die Hände umklammern das Mikrofon: "Ich bitte unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre um Entschuldigung für die Vorgänge", sagt Daniel Bouton mit matter Stimme. Der langjährige Chef der Großbank Société Générale wirkt verloren auf dem Podium im großen Konferenzraum der Bankzentrale. Fast als hätte er geahnt, dass die Affäre Kerviel für ihn den Anfang vom Ende markieren wird. Damals, im Januar 2008 musste Bouton der Öffentlichkeit erklären, wie ein junger Trader unbemerkt fast fünf Milliarden Euro verzocken konnte. Gestern, nur wenig mehr als ein Jahr später, ging die Ära des Daniel Bouton endgültig zu Ende. "Die wiederholten Attacken seit 15 Monaten, die auf mich persönlich zielen, drohen der Bank und ihren 163 000 Mitarbeitern Schaden zuzufügen", erklärt er. Sprich, Bouton geht, damit die Bank zur Ruhe kommt.

Aber ganz unschuldig ist er Bouton an seinem eigenen Abgang nicht. In Pariser Finanzkreisen wird ihm eine gewisse Geldgier nachgesagt und Neid auf die Gehälter an der Wall Street. Und das kostete ihn schließlich den Rückhalt in der Belegschaft, die selbst nach der Betrugsaffäre Kerviel hinter ihm stand. Damals hatte er lediglich den Vorstandsvorsitz abgegeben, war aber Präsident des Boards geblieben - trotz Kritik von außen. Und als Staatschef Nicolas Sarkozy offen Boutons Kopf forderte, erreichte er das Gegenteil: Die Belegschaft, gleichzeitig größter Einzelaktionär des Instituts, schart sich um den Chef. Es ist dieser Corps-Geist, den Bouton in seinem Abschiedsinterview im "Figaro" noch einmal beschwört, jenen Zusammenhalt der Mitarbeiter, der ihm nicht nur nach Kerviel den Kopf gerettet hat.

Doch jetzt hat Bouton verspielt. Schuld sind großzügige Aktien-Optionen für das Topmanagement: Am 18. März teilt das Board der Bank in einer lapidaren Presseerklärung mit, dass die Société Générale 4800 Führungskräften - allen voran den vier Topleuten wie Bouton - üppige Aktienoptionen einräumen will. Das Signal ist fatal: Die Bank-Mitarbeiter haben als Aktionäre durch den Kursverlust in der Krise viel Geld verloren - und das Top-Management stopft sich die Taschen voll. Nach einem Aufschrei verzichten Bouton & Co. auf die Optionen. Doch der Bruch mit den eigenen Leuten ist danach nicht mehr zu kitten. "Eine unfassbare Taktlosigkeit" erregte sich damals ein hochrangiger Manager. Heute räumt Bouton ein, dass der Optionsplan ein "Fehler" war - nur um nachzuschieben, dass weltweit andere Banken ähnlich vorgingen.

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