Wechsel bei Schweizer Bank: Die Märkte mögen Ossi

Wechsel bei Schweizer Bank
Die Märkte mögen Ossi

Seit Oswald Grübel 2002 an die Spitze der Credit-Suisse gelangt ist, geht es aufwärts für die zweitgrößte Schweizer Bank. Die Märkte mögen „Ossi“, wie ihn seine Vorstandskollegen nennen. Das Ergebnis für 2006 übertrifft alle Erwartungen. „Mein Job ist getan“, sagt Grübel – und verlässt die Bühne.

oli DÜSSELDORF. Sein Chef sieht es so: „Ossi“, sagt Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz, „ist kein Mensch der vielen Worte.“ Oswald Grübel kneift die Augen zusammen, grinst, nickt. Später wird er auf die Frage, was er nach seinem Rückzug im Mai zu tun gedenke, unwirsch antworten: „Ich werde mich nicht in Home-Storys ergehen.“ Dazu verzieht er dann wieder den Mund zu einem Gesichtsausdruck, der seine Zuhörer mit Spott bedenkt.

Sie ertragen ihn, denn er kann es sich leisten. Seit Grübel 2002 an die Spitze der zweitgrößten Schweizer Bank gelangt ist, geht es aufwärts. Die Märkte mögen „Ossi“, wie ihn seine Vorstandskollegen nennen. Das liegt auch daran, dass der Deutsche mit der massigen Statur alles andere als ein Schöngeist ist. Smalltalk hasst er. „Meine Therapie“, sagt er, „ist das Geschäft." Und das Geschäft besteht im Geldverdienen. Wer davon nicht 24 Stunden am Tag etwas versteht, ist im Kreis der Grübel-Freunde schlecht aufgehoben. Er selbst versteht etwas davon. Sein Privatvermögen wird auf eine dreistellige Millionensumme geschätzt. Seine Ankündigung, nach dem Rückzug von der Rente zu leben, ruft einen Heiterkeitsanfall bei den Zuhörern hervor. „Gewinne lösen bei ihm noch immer rauschähnliche Gefühle aus“, meint ein Mitarbeiter.

Der 63-Jährige hat sich auch erfolgreich darüber Gedanken gemacht, welches der beste Weg für seine Bank zum Geldverdienen ist. Das Ergebnis: Konzentration der Credit Suisse auf sich selbst. Das Nebeneinander der New Yorker Investmentabteilung Credit Suisse First Boston und des Züricher Kerngeschäfts hat Grübel beendet. Mit seiner Eine-Bank-Strategie zog er den Schlussstrich unter eine Entwicklung, die in einer Doppelspitze – Grübel in Zürich und der Amerikaner John Mack an der Spitze der Investmentbank in New York – ihre absurde formale Entsprechung gefunden hatte.

Mitte des Jahres 2004 kam es zum Bruch zwischen Mack und dem Verwaltungsrat der Bank. Der Amerikaner hatte eine Fusion mit der Deutschen Bank erwogen. Aber Kielholz war ein bodenständiger Grübel lieber als ein ehrgeiziger Mack. Beobachter unken seither, dass das „G“ im Markennamen CSG, das eigentlich für „Gruppe“ steht, in Wahrheit „Grübel“ bedeutet. Schließlich stilisiert sich der Mann selbst zur Marke: Das Haar aalglatt, die Antworten angriffslustig, gewürzt mit etwas Managerphilosophie, die sein dröhnendes Selbstbewusstsein erträglich macht: Das größte Problem sei es, „sich selbst gegenüber die Wahrheit einzugestehen“, sagt er.

Als früherer Skispringer kannte Grübel seine Fallhöhe stets genau. Als oberster Herr über das Private Banking hatte er sich früh Ambitionen auf den Chefsessel gemacht. Als ihm der damalige Chef Lukas Mühlemann die Anerkennung versagt, kündigt Grübel 2001. In den Zeitungen erscheinen Nachrufe. Aber er gibt nicht auf. „Man ist so froh, unten zu sein, egal wie, dass man es gleich noch einmal macht“, sagte der Skispringer damals. Ein Jahr später in der Krise, als die Bank mit hohem Verlust abschließt, kommt er zurück und setzt zum Sprung an. Jetzt hat er eine Rekordweite geschafft. Das Ergebnis für 2006 übertrifft alle Erwartungen. „Mein Job ist getan“, sagt er am Donnerstag – und verlässt die Bühne.

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