Wechsel im Finanzvorstand der UBS
Marina Natale: Die First Lady der Zahlen

Marina Natale wird Finanzchefin der Unicredit - und ist damit allein unter den Männern der Branche.

MAILAND. Aus ihrem Alter macht sie ein Geheimnis, und auch sonst ist Marina Natale um Diskretion besorgt. Innerhalb der italienischen Großbank Unicredit ist die Bankerin jedoch jedem ein Begriff. Vorstandsmitglied und bisher Chefin des Geschäfts mit den wohlhabenden Privatkunden wird sie nach Handelsblatt-Informationen kommende Woche zum Finanzvorstand der europaweit tätigen Bank aufsteigen. Unicredit will das bisher nicht kommentieren.

In Italien ist es das erste Mal, dass eine Frau Finanzchefin einer Großbank wird, und auch in den Vorständen anderer europäischer Großunternehmen ist das eine Seltenheit. Doch Probleme sich durchzusetzen, wird Natale nicht haben: "Ich habe immer mit Männern gearbeitet", hat sie einmal in einem ihrer seltenen Interviews gesagt. Und wer mit der Frau mit den stechend blauen Augen verhandelt, kann nicht auf Milde hoffen. Ehemalige Verhandlungspartner beschreiben die kleine, drahtige Managerin als knallhart. Mitarbeiter attestieren der stets braun gebrannten und elegant gekleideten Bank-Lady eine "unglaubliche Energie". Die Betriebswirtin gilt als Workaholic, die mit dem Blackberry neben dem Kopfkissen schläft. Doch ihr Team, 15 junge Männer, "würden für sie durchs Feuer gehen", heißt es in der Bank.

Dass Unicredit vor vier Jahren die deutsche Hypo-Vereinsbank mit rund 16 Mrd. Euro recht günstig übernehmen konnte, ist nicht zuletzt ihr Verdienst.

Zehn Jahre lang war sie für die Übernahmen der Mailänder Bank zuständig, verhandelte unter anderem den Zukauf von HVB und Capitalia. Niemand kennt Unicredit und die hinzugekauften Banken besser als sie, die vor 20 Jahren ihre Karriere dort begann und schnell aufstieg. Gemeinsam mit Vorstandschef Alessandro Profumo hat sie damit Unicredit schließlich zu der europäischen Bank geschmiedet, die sie heute ist. Vor einem Jahr wurde "die Wunderfrau", wie man sie damals nannte, Chefin des Private Bankings und galt schon damals Kandidatin für höhere Weihen. Die hat sie jetzt erhalten und muss sich dann wohl auch an öffentliche Auftritte gewöhnen, die sie bisher lieber meidet. Privates und Berufliches trennt sie streng. Man weiß, dass sie gerne reist, am liebsten zu exotischen Zielen, doch wo genau das ist, wissen nicht einmal ihre engsten Mitarbeiter. Ihr Privatleben samt Familie mit Kind ist tabu und Diskretion ist schließlich alles - nicht nur im Job.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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