Wegen umstrittener Amtsführung
Ex-Tyco-Chef vor US-Gericht

Im Zuge der Aufarbeitung der Bilanzskandale an der Wall Street haben am Montag in den USA erste Gerichtsprozesse begonnen.

HB NEW YORK. Der Ex-Chef des Mischkonzerns Tyco International Dennis Kozlowski (56) und der ehemalige Tyco-Finanzchef Mark H. Swartz (43) müssen sich vor einem New Yorker Gericht verantworten. Sie sollen Tyco und Investoren um insgesamt 600 Millionen Dollar (524 Mio Euro) geschädigt haben.

Ebenfalls von Montag an steht der ehemalige Internet-Analyst der Credit Suisse First Boston (CSFB), Frank Quattrone, vor Gericht. Dem ehemaligen Branchenstar, der während des Internet-Höhenflugs dutzende Online- und Technologiefirmen an die Börse gebracht hatte, wird vor einem Bundesgericht in New York Justizbehinderung vorgeworfen.

Kozlowski soll mit Unternehmensgeldern eine Millionen-Party für seine Frau auf Sardinien, den Kauf von Luxus-Appartements und Häusern sowie teuren Schmuck bezahlt haben. Kozlowski und Swartz wird vorgeworfen, von Tyco 170 Millionen Dollar gestohlen zu haben. Sie hätten zusätzlich 430 Millionen Dollar eingenommen, indem sie heimlich Tyco-Aktien verkauften und zugleich den Aktienkurs künstlich aufblähten. Ihnen wird auch Unternehmenskorruption vorgeworfen. Diese Anschuldigung werde oft in Klagen gegen das organisierte Verbrechertum verwendet, berichtete die „New York Times“ am Montag.

Das Verfahren beginnt mit der Auswahl der Juroren. Es könnte nach Ansicht von Rechtsexperten drei Monate dauern. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Kozwlowski und Swartz nach Angaben der Zeitung Gefängnisstrafen von bis zu 25 Jahren. Die beiden ehemaligen Tyco-Spitzenmanager hatten sich nicht schuldig bekannt.

Quattrone (47) soll sich wegen angeblicher Justizbehinderung und Zeugenbeeinflussung verantworten, berichtete „USA Today“. Dem früheren Bankier wird vorgeworfen, er habe Angestellte aufgefordert, Dokumente zu zerstören als Ermittler die Zuteilung stark gefragter Aktienemissionen untersuchten. Das Verfahren gegen Quattrone dürfte zwei Wochen dauern.

Quattrone, der während des Technologie-Booms bis zu 200 Millionen Dollar eingesteckt habe, repräsentiere für viele Kleinaktionäre die Exzesse der späten neunziger Jahre, schrieb „USA Today“. Für Freunde und Kollegen im Silicon Valley sei er hingegen ein Visionär, der Amazon.com und Cisco Systems an die Börse gebracht habe. Quattrone drohe eine Gefängnisstrafe von bis zu 25 Jahren. Er werde jedoch im Falle eines Schuldspruchs wahrscheinlich eine geringere Strafe erhalten. Ein Schuldspruch sei laut Rechtsexperten keineswegs sicher. Die Anschuldigungen gegen Quattrone basierten auf einer E-Mail. Darin wurde erklärt, es sei an der Zeit, Unterlagen zu säubern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%