Weicheier im Management
Wenn der Chef alles mit sich machen lässt

Unverschämtheit gehört offenbar zur Job Description. Unglaublich, was sich Mitarbeiter heutzutage herausnehmen! Täglich toben sich Vorgesetzte beim Berater Klaus Schuster aus, der von abenteuerlichen Geschichten weiß.
  • 5

DüsseldorfNeulich erzählte mir ein Konzern-Bereichsleiter, dass er zwei seiner Abteilungsleiter auf Erkundungstour zu einer Konzerntochter im benachbarten Ausland geschickt hat; 400 km einfache Fahrtstrecke. Zufällig hört er nach Ende eines Meetings wie der eine Manager zum anderen sagt: „Wann holt uns denn der Chauffeur morgen hier ab?“ Und der Bereichsleiter entgegnet: „Wie bitte? Chauffeur? Sind Sie wahnsinnig? Einen Fahrer hat bei uns nur der Generaldirektor!“ Der Bereichsleiter hat einige Jahre Berufserfahrung. Er erzählte mir: „Was daraufhin folgte, war vor zehn Jahren undenkbar.“

So habe ihm der eine Manager, ein Abteilungsleiter, geantwortet: „Mit meinem eigenen Auto fahre ich nicht in dieses Land. Das ist mir zu unsicher!“ Der Bereichsleiter darauf hin: „Das ist nicht Ihr Wagen. Das ist ein Firmenwagen.“ Der zweite Abteilungsleiter dagegen kam dann mit einer unwiderlegbaren Begründung für die Anforderung eines Chauffeurs: „Meine Gattin braucht meinen Firmenwagen, ihrer ist nämlich in der Werkstatt.“ Punkt.

Der Bereichsleiter bekommt darauf hin einen Tobsuchtsanfall, was wohl die krasse Ausnahme ist. Leider, sage ich, denn zu viele Vorgesetzte trauen sich heute schlicht nicht mehr. Die lassen alles durchgehen und das ist die Regel. Betrachten wir aber weiter die geschilderte Ausnahme.

Der Bereichsleiter in unserem Beispiel also tobt: „Wenn das Head Office oder irgendein Journalist herausbekommen, wie ihr beiden Firmengelder verklopft, dann haben wir einen handfesten Skandal.“ Darauf einer der Manager: „Ach was, das kriegt doch keiner mit. Wir haben dem Chauffeur schon gesagt, dass er keinem was verraten darf!“

Der Vorgesetzte kann es nicht fassen: „Das ist mir egal. Sowas tut man einfach nicht. Wir haben gerade ein Sparprogramm laufen, den Mitarbeitern wird das Büromaterial gekürzt, wir haben Leute entlassen – da macht man aus Prinzip keine unnötigen Spesen.“ Einer der Abteilungsleiter meint dazu: „Sie immer mir Ihren Prinzipien!“ Jetzt platzt dem Vorgesetzten endgültig der Kragen: „Aus, Schluss, Basta! Ich lasse das nicht durchgehen. Sie fahren mit dem Leihwagen und wechseln sich hinterm Steuer ab. Ende der Diskussion.“ Was hätten Sie an seiner Stelle gesagt?

Kommentare zu " Weicheier im Management: Wenn der Chef alles mit sich machen lässt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Führung ist wie Erziehung. Wer mit gutem Beispiel vorangeht wird sich nicht oft auf solche Diskussionen einlassen müssen. Wenn die Unternehmensziele bekannt und von oben bis unten verfolgt und gelebt werden, dann ziehen nicht nur alle an einem Strang, sondern idealerweise auch noch in die gleiche Richtung. Und für die schwierigen Fälle habe ich ein paar Fragen im Gepäck: womit verdienen Sie Ihr Geld? Was können wir tun, um aus Ihnen einen Mitarbeiter zu machen, der sein Geld wert ist? Welchen Schaden würde aus Ihrer Sicht das Unternehmen erleiden, wenn Sie als Mitarbeiter nicht mehr zur Verfügung stehen? Was ist präzise Ihr Beitrag zur Erreichung der einvernehmlich verabschiedeten Firmenziele? Was würden Sie antworten, wenn Sie mit der Aussage konfrontiert würden: die Lücke, die er hinterlässt, ersetzt ihn voll?
    Und da reicht mir dann eine oberflächliche Antwort nicht. Bedauerlicherweise verschiebt sich die "Nulllinie" immer schneller. Was früher als Sonderleistung eines Unternehmens eingeschätzt wurde, wird immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit, ohne die man nicht mehr leben kann (will). Und wenn sich der Eindruck einstellt, dass das Füreinander-Dasein sich zur Einbahnstraße entwickelt, dann hört der Spaß schnell auf. Da kann als ultima ratio ggf. ein Präzendenzfall notwendig sein. Und dafür braucht es dann einen Vorgesetzten mit Rückgrat. Wenn dieser Vorgesetzte das Rückgrat nicht hat, sollte er sich selbst auch mit den obigen Fragen konfrontieren. Wattebäuschchen über den Tisch zu blasen kann nicht das sein, womit der Vorgesetzte sein Geld verdient.

  • Danke für diesen Beitrag! – Auch in meiner Arbeit mit Führungskräften beobachte ich sehr oft ein geradezu verzweifeltes Nett-Sein-Wollen. Verbunden mit der Enttäuschung, dass die Mitarbeiter es nicht nur nicht zu schätzen wissen, dass der Chef kein harter Knochen sein will sondern im Gegenteil sogar Arroganz und Passivität kultivieren.

    Ja, eine ehrliche Haltung der Liebe (Wertschätzung, Offenheit, Vertrauen, Freiheit usw.) sind unabdingbar für eine gute Führung. Aber dafür braucht es eben auch Klarheit, Leitplanken und ein mutiges In-Die-Pflicht-Nehmen.

  • Kurzer und knapper Rauswurf dieser Komiker - mit sofortiger Freistellung und Organisation des Ersatzes.

    Wer hat denn bloß solche Blindgänger eingestellt? Da muß ein Personaler komplett versagt haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%