Weitere Vorstände müssen gehen
Wie ein Fremdkörper

Die Ex-Politikerin Klaudia Martini gibt ihren Job als Kommunikationschefin bei Opel auf. Seit langem war Martini im Unternehmen und der Branche umstritten. Jetzt hat sie daraus die Konsequenzen gezogen. Überraschend kam das Martinis Karriereende für Branchenkenner indes nicht.

FRANKFURT. Ganz glücklich hat die zierliche Frau in der PS-Welt nie gewirkt: „Ich werde als Kommunikationsvorstand ausscheiden“, sagte sie am Donnerstag dem Handelsblatt. Am Dienstag wird der Aufsichtsrat des Unternehmens darüber informiert, dass die Kommunikationschefin nach drei Jahren im Management des Autoherstellers die Zentrale in Rüsselsheim verlässt.

„Bereits Ende vergangenen Jahres habe ich den Opel-Aufsichtsratsvorsitzenden davon unterrichtet, dass ich mein Engagement bei Opel beenden möchte“, sagte Martini. Ihr Vertrag läuft noch bis Ende September. Doch der Wechsel erfolgt wahrscheinlich früher: „Ich habe dem Kontrollgremium angeboten, auch vorzeitig auszuscheiden.“ Ihr Nachfolger, der möglicherweise mit Kommunikationsdirektor Frank Klaas bereits im Unternehmen ist, wird nicht mehr im Rang eines Vorstands stehen, sagen Insider. Mit Martini verliert die deutsche Automobilindustrie ihre einzige Frau im Spitzenmanagement.

Opel-Chef Carl-Peter Forster kann so drei Jahre nach seinem Amtsantritt den Umbau des Vorstands weiter vorantreiben. Bereits im Februar hat er entschieden, dass Einkaufsvorstand Robert Socia durch den 39-jährigen bisherigen Saab-Manager Roger Johansson ersetzt wird. Erst vor wenigen Tagen verließ auch Markenvorstand Alain Uyttenhoven das Unternehmen. Sein Nachfolger, der am Dienstag vom Aufsichtsrat berufen werden soll, wird nach Informationen aus Unternehmenskreisen von der Konkurrenz kommen und wurde noch von Uyttenhoven selbst abgeworben. In der Sitzung steht noch eine Personalie an: Produktionsvorstand Ditmar Porth soll in den Ruhestand verabschiedet werden.

Das Karriereende für Kommunikationschefin Martini kommt für Branchenkenner nicht überraschend. Bereits seit Monaten ranken sich Gerüchte um die Ablösung der Ex-Politikerin. Und Opel-Chef Forster, der am Sonntag seinen 50. Geburtstag begeht, dürfte der Abgang die Feierlaune nicht vermiesen. Im Gegenteil. Zu deutlich ist die zum Teil ungeschickte Außendarstellung des Tochterunternehmens von General Motors (GM) wahrnehmbar. Der Sprung von Martini zum Rüsselsheimer Autobauer war ein Experiment für beide Seiten – und es ging schief. Denn mit Martini holte Forster vor drei Jahren eine Branchenfremde an Bord. Die hatte ihr Talent für Öffentlichkeitsarbeit als Umweltministerin von Rheinland-Pfalz in schwierigem Meinungsumfeld zwar bewiesen. Aber von der Autoindustrie und der Leitung einer Pressestelle hatte sie kaum eine Ahnung. Doch Martini sollte dem tief im Imageloch steckenden Unternehmen ein neues, ökologisches Erscheinungsbild verpassen. Und das alles mit einem PR-Etat, der um ein Drittel gekürzt wurde. Eine Zerreißprobe, die Martini nicht bestand.

Seite 1:

Wie ein Fremdkörper

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%