Wells Fargo
Der Ausgezeichnete

Überall wird der Chef von Wells Fargo gefeiert. Erst kürzlich wurde John Stumpf zu einem der besten Firmenchefs gekürt, denn der passionierte Bridgespieler hat die Krise genutzt und seine Bank zu einer der größten des Landes gemacht. Doch nun steht Stumpf vor einer schwierigen Aufgabe - der Integration seines einstigen Konkurrenten.

NEW YORK. Mit Milliardär Warren Buffett teilt John Stumpf ein Hobby: Das Bridgespiel. Und so messen die beiden Herren sich hin und wieder bei einer Partie. Spielt er so wie er seine Firma führt, muss Stumpf ein ruhiger, überlegter Kontrahent sein, der erst herausfordert, wenn er sich ganz sicher ist. Am Rande dieser Bridgerunden dürfte auch Wells Fargo immer wieder einmal ein Thema sein. Denn Stumpf ist der international weniger bekannte CEO der Bank, die jüngst in die Topliga des Landes aufgestiegen ist, und deren größter Aktionär Buffett ist.

Bisher hat Stumpf Wells Fargo gut durch die Krise navigiert, unter anderem, weil sich die Bank nicht auf die risikoreichsten Immobiliengeschäfte eingelassen hatte. Die Zeitschrift Business Week kürte den 55-Jährigen deshalb kürzlich zu einem der besten Firmenchefs. Denn Stumpf hat die Krise genutzt und sein Institut im Oktober mit der Übernahme des angeschlagenen Konkurrenten Wachovia zu einer der größten Banken des Landes gemacht. "Wir hatten Wachovia schon sehr lange auf dem Radar", sagte er gestern. Aber Stumpf kann auf seine Chance warten. Und die kam, als Wachovia in einer Zwangslage war und der Staat die Übernahme durch massive Steuererleichterungen versüßte.

Zusammen sind die im Westen starke Wells Fargo und die im Osten starke Wachovia der größte Kreditgeber an Kleinunternehmen in den USA, haben nach der Bank of America die zweitmeisten Einlagen. Bankenexperten schätzen Wells Fargo schon seit Jahren. Dass Stumpf aber weit weniger bekannt ist als andere Bankenchefs liegt nicht nur an der bisher kleineren Größe von Wells Fargo, sondern auch an seiner Natur. Stumpf ist niemand, der sich ins Rampenlicht drängt. Eigentlich mag er kleine Übernahmen lieber als die großen. Und wenn es um Schlagzeilen geht, lässt er seinem Chairman und Vorgänger Richard Kovacevich gerne weiter den Vortritt. Der feurig-aggressive Kovacevich ist immer noch ein wenig der Übervater Stumpfs, den Kollegen als ruhig und zurückhaltend beschreiben. Aber gelingt die Übernahme Wachovias, kann Stumpf sich endgültig aus dem Schatten Kovacevichs befreien, obwohl er eigentlich recht gerne darin steht.

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