Weltbild-Chef Carel Halff geht ungewöhnliche Wege Keine Scheu vor der „Bild“-Zeitung

Der große Mann mit dem grauen Anzug und der Glatze ist seit 29 Jahren beim Augsburger Weltbild-Verlag. In dieser Zeit hat der gebürtige Holländer mit seiner bedächtigen Art eines der größten deutschen Medienunternehmen aufgebaut.

AUGSBURG. Langsam zieht Carel Halff den Teebeutel aus der dampfenden Tasse und legt ihn behutsam in ein kleines Porzellanschälchen. „Ach, wissen Sie, eigentlich wollte ich nur ein, zwei Jahre in Augsburg bleiben.“ Sagt’s, nippt an seinem heißen Tee und beobachtet die ungläubige Reaktion seines Gegenübers.

Ein, zwei Jahre? Der große Mann mit dem grauen Anzug und der Glatze ist seit 29 Jahren beim Augsburger Weltbild-Verlag. In dieser Zeit hat der gebürtige Holländer mit seiner bedächtigen Art eines der größten deutschen Medienunternehmen aufgebaut. Das katholische Verlagshaus erwirtschaftete zuletzt mit 3 400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Halff sieht so brav aus, dass er mit der Aktentasche in der Hand problemlos als Sachbearbeiter der Stadtwerke durchginge. Doch hinter der Buchhalter-Fassade steckt ein Manager, der gerne neue Wege geht und immer für eine Überraschung gut ist. Sein jüngster Coup ist eine Buchserie, die von heute an in Zusammenarbeit mit der „Bild“-Zeitung in die Läden kommt.

Ähnlich wie bereits die „Süddeutsche Zeitung“ bieten die Partner im Wochenrhythmus jeweils ein bekanntes Werk der Weltliteratur für 4,99 Euro an. Die Zusammenarbeit mit dem Boulevard-Blatt „Bild“ stört den 53-Jährigen nicht. Im Gegenteil: „Damit erreichen wir Leute, die nicht zum normalen Buchpublikum gehören.“

Um eingefahrene Wege in der Buchbranche hat sich Halff noch nie geschert. Aus einem kleinen, defizitären und auf religiöse Werke beschränkten Buchverlag formte er vor allem durch neue Vertriebswege ein breit aufgestelltes Medienunternehmen. Aushängeschild ist der Weltbild-Katalog, der jeden Monat an vier Millionen Haushalte verschickt wird. Zusammen mit dem Münchener Buchhändler Hugendubel baute Halff die NiedrigpreisKette „Weltbild-Plus“ auf, und mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch das Handelsblatt gehört, betreibt er den Buchverlag DroemerKnaur. Im Internet-Buchhandel ist Halffs Firma die Nummer zwei in Deutschland.

Weltbild ist kein gewöhnliches Unternehmen: Es gehört 13 Diözesen und der Soldatenseelsorge Berlin. „Sehr langfristig orientierte Gesellschafter“ seien dies, sagt Halff, der sich selbst „religiös, aber nicht fromm“ nennt. Seine Mitarbeiter beschreiben den gelernten Verlagskaufmann als „bescheidenen“ Menschen, der gut delegiere und verlässliche Mitarbeiter um sich geschart habe. Er sei ein Manager mit vielen Ideen; einer, der vorausdenke.

Und so hat Halff auch nach fast 30 Jahren immer noch genügend Ehrgeiz, um Weltbild voranzubringen. Derzeit baut er das Auslandsgeschäft massiv aus und erweitert die Konzernzentrale, um das stürmische Wachstum zu bewältigen.

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