Weltbild
Die Erfolgsgeschichte eines Sachbearbeiters

Die katholische Kirche will sich von ihrem Medienkonzern Weltbild trennen. Dessen Chef Carel Halff freut sich darüber.
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MÜNCHEN. Carel Halff wirkt so brav, dass er mit der Aktentasche in der Hand problemlos als Sachbearbeiter der Stadtwerke durchginge. Der 56-Jährige mit dem ergrauten Haarkranz trägt gerne graue Anzüge; jedes seiner Worte wählt er sorgfältig aus. Hinter der Buchhalterfassade allerdings steckt einer der erfolgreichsten Verlagsmanager Deutschlands.

Halff arbeitet seit über 30 Jahren beim Weltbild-Verlag. In dieser Zeit hat der gebürtige Holländer auf seine bedächtige Art eines der führenden Medienunternehmen des Landes aufgebaut. Das Verlagshaus erwirtschaftete zuletzt mit 7 400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp zwei Milliarden Euro.

Jetzt, gegen Ende seiner Karriere, steht Halff noch einmal vor einschneidenden Veränderungen. Die Eigentümer des 1948 gegründeten Augsburger Unternehmens, 14 katholische Diözesen und die Soldatenseelsorge, denken laut über einen Verkauf ihrer Anteile nach. Mit einem privaten Investor im Rücken könnte Weltbild die internationale Expansion beschleunigen, die Halff in den vergangenen Jahren gestartet hat.

An die katholischen Wurzeln des Verlages erinnert heute ohnehin nur noch wenig. Zwar finden sich in den Weltbild-Katalogen bis heute weder gewaltverherrlichende Literatur noch Pornos. Doch damit hat es sich dann schon: "Ach wissen Sie", sagt Halff mit dem kleinen katholischen Verlag der Nachkriegszeit hat Weltbild heute nichts mehr gemeinsam." Im Internet böte der Verlag alle lieferbaren Bücher an, "da ist eine inhaltliche Beschränkung gar nicht machbar". Schon deshalb seien die Gedankenspiele der Eigner nur konsequent.

Halff selbst kennt ohnehin wenig Berührungsängste, wie die Zusammenarbeit mit der "Bild"-Zeitung beweist. Im Gegenteil: "Damit erreichen wir Leute, die nicht zum normalen Buchpublikum gehören", sagt er.

Um die Bräuche der Buchbranche hat sich Halff noch nie sonderlich geschert. Aus einem defizitären und auf religiöse Werke beschränkten Buchverlag formte er vor allem durch neue Vertriebswege ein breit aufgestelltes Medienunternehmen. Aushängeschild ist der Weltbild-Katalog, der jeden Monat an mehrere Millionen Haushalte verschickt wird. Zusammen mit dem Münchener Buchhändler Hugendubel baute Halff zudem die Niedrigpreiskette "Weltbild-Plus" auf; mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch das Handelsblatt gehört, betreibt er den Buchverlag Droemer Knaur. Im deutschen Internet-Buchhandel ist die Firma hinter Amazon die Nummer zwei.

Weltbild ist wegen seines Besitzers, der katholischen Kirche, kein gewöhnliches Unternehmen. "Sehr langfristig orientierte Gesellschafter" seien dies, sagte Halff vor einigen Jahren im Handelsblatt-Interview. Offenbar haben die Kirchenfürsten aber in jüngster Zeit erkannt, dass es nicht zu ihren Kernaufgaben gehört, einen international agierenden Medienkonzern zu unterhalten. Deshalb werden derzeit alle Optionen geprüft. Das ganze Vorhaben sei aber "völlig ergebnisoffen", sagt Halff und eine Entscheidung wohl nicht vor nächstem Jahr zu erwarten.

Halff bezeichnet sich als "religiös, aber nicht fromm". Seine Mitarbeiter beschreiben den gelernten Verlagskaufmann als bescheidenen Menschen, der gut delegiere und verlässliche Leute um sich geschart habe. Er sei ein Manager mit vielen Ideen, einer, der vorausdenke. Und so hat Halff noch genügend Ehrgeiz, Weltbild in ein neues Zeitalter zu führen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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