Weltspitze
Sourcing: Kosten senken in den Krisenzeiten

Handelsblatt.com bietet Ihnen mit der neuen Serie „Weltspitze – wie Deutsche international Erfolg haben“ praktische Hilfe: Jeden Montag präsentiert der Personalberater und Buchautor Sergey Frank eine Kolumne zu dem Thema, wie Unternehmer im Ausland Geld verdienen können. Heute geht es das Sourcing in Osteuropa und wie man hier Geld sparen kann.
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Einkauf, Beschaffung, Sourcing – dieser wichtige Managementbereich hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen und intern immer stärker an Bedeutung für jedes Unternehmen gewonnen. Dabei geht es im Einzelnen um bestimmte Länder in Mittel- und Osteuropa (im folgenden „MOE“) genannt. Es geht im Einzelnen auch um Südosteuropa, speziell um die Länder Rumänien und Bulgarien. Russland steht in dieser Folge als originärer Beschaffungsmarkt nicht im primären Fokus.

Eine hohe Lieferantenauslastung, neue Investitionen in Maschinenparks, starke osteuropäische Währungen, steigende Löhne und niedrige Arbeitslosigkeit waren noch vor einem Jahr die Schlagwörter, die die Situation in MOE charakterisiert haben. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise traf MOE einschließlich Südosteuropa genauso hart, teilweise noch härter als Westeuropa.

Die Auftragslage verschlechterte sich in MOE in den letzten 12 Monaten deutlich. Aufträge wurden gekürzt oder storniert. Die Flut der Anfragen wie noch im ersten Halbjahr 2008 bleibt aus. Dazu haben viele Lieferanten erkannt, dass die Fokussierung auf nur eine Branche wie z.B. auf die Automobilindustrie zu scharfen Schwankungen bei der Auftragslage führen kann. Im Moment ist die Diversifizierung der Kundensegmente bei den osteuropäischen Lieferanten angesagt. Das ist ein günstiger Zeitpunkt für mittelfristig planende Unternehmen, um sich bei den Lieferanten strategisch zu positionieren und Kosten zu sparen.

Die Kostensenkung im Einkauf hat eine unmittelbare Auswirkung auf die Profitabilität. Und sie ist wirklich unmittelbar im Vergleich zu Auswirkungen in anderen Bereichen: Dieselbe Wirkung auf die Profitabilität wie eine Kostensenkung im Einkauf um wenige Prozente erzielen z.B. Umsatzsteigerungen erst im zweistelligen Bereich. Diese sind momentan so kaum zu realisieren. Und gerade jetzt haben viele Unternehmen, die noch vor wenigen Monaten vergeblich nach Lieferanten mit günstigen Kostenstrukturen gesucht haben, eine hervorragende Gelegenheit, ihre Aufträge bei den besten Lieferanten in MOE zu platzieren. Deshalb loht sich ein genauerer Blick auf diese Region.

Gibt es noch Kostensenkungspotenziale in Mittel- und Osteuropa?

In den letzten Jahren stiegen die Löhne mancher osteuropäischen Facharbeiter prozentual teilweise zweistellig (Rumänien und Bulgarien), aber von einem sehr niedrigen Niveau, so dass sie auch heute noch wettbewerbsfähig sind. In anderen Ländern lagen die Lohnsteigerungen unter 10% p.a.. Durchschnittliche Lohnkosten (Gehalt plus Arbeitgeberanteil) im produzierenden Gewerbe sind: Tschechien und Ungarn rund 900 Euro, Estland, Polen und Slowakei etwa 750 Euro, Lettland und Litauen ungefähr 500 Euro, Rumänien circa 375 Euro, Bulgarien um 300 Euro.

Im Vergleich zu den westeuropäischen Löhnen sind die Löhne in MOE signifikant niedriger und werden eher moderat wachsen, nachdem die Verfügbarkeit der Arbeiter zunimmt. Der Höhenflug der einheimischen Währungen in den letzten zwei Jahren dürfte jetzt auch beendet sein. Der Verfall der Währungen vom Frühjahr 2009 brachte auch nach einer Erholungsphase nicht die Werte vom 2008. Dadurch dürfte die Kostenposition der osteuropäischen Lieferanten derzeit besser sein als in den letzten Jahren.

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