Wendelin Wiedeking wird 65 „Es gibt ein Leben nach Porsche“

Wendelin Wiedeking brachte den Sportwagenbauer Porsche einst auf Vordermann. Doch nach einer dramatischen Übernahmeschlacht mit Volkswagen musste er gehen. Das war vor acht Jahren. Und heute?
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Der frühere Porsche-Chef, hier im Jahr 2007, hat schon immer gegen Dieselmotoren gewettert und fühlt sich bestätigt. Quelle: dpa
Wendelin Wiedeking

Der frühere Porsche-Chef, hier im Jahr 2007, hat schon immer gegen Dieselmotoren gewettert und fühlt sich bestätigt.

(Foto: dpa)

Stuttgart Diesel? Wendelin Wiedeking schüttelt den Kopf. „Ich habe schon immer gegen den Selbstzünder gewettert - die Probleme beim Stickoxid habe ich kommen sehen“, sagt der frühere Porsche-Chef. „Dass es die ganze Autoindustrie nun so erwischt, habe ich mir beileibe nicht gewünscht - aber Probleme waren schon früher absehbar.“ Unter seiner Führung setzte Porsche auf Benzin, erst nach Wiedekings Abgang 2009 verkaufte das Unternehmen Dieselautos in nennenswerter Zahl. „Ich wollte immer Autos, die weltweit verkaufbar waren - und diese Sicherheit konnte mir der Diesel angesichts der anspruchsvollen Grenzwerte in den USA nicht bieten.“

Viel mehr will er nicht sagen zu den Problemen in Deutschlands Autobranche. „Ich halte mich da raus.“ Der einst schillernde Branchenstar wird am Montag, den 28. August, 65 Jahre alt.

Der gebürtige Westfale zählt zu den erfolgreichsten deutschen Automanagern. Anfang der 1990er Jahre übernahm er den Chefsessel des Sportwagenbauers Porsche - die Firma war damals schwer in der Krise. Der promovierte Maschinenbauer griff hart durch: Stellen wurden abgebaut, Produktionsprozesse umgestellt. Wiedeking brachte Porsche auf Kurs, die Firma wurde der profitabelste Autobauer der Welt. Unter seiner Führung sei der Aktienkurs bis zu seinem Abschied um das 22-Fache geklettert, sagt er - und das, obwohl der Kurs am Tag seines Abgangs „runtergeprügelt“ war.

Diese „Prügel“ an der Börse überschatteten seine Karriere. In den Jahren 2008 und 2009 führte Wiedeking eine Übernahmeschlacht gegen Volkswagen: Das relativ kleine Unternehmen Porsche wollte sich Europas größten Autobauer einverleiben. Der Plan ging schief, Porsches Schuldenberg wurde zu groß - im Juli 2009 musste Wiedeking gehen.

Der Übernahmeversuch hatte ein juristisches Nachspiel: In einem Strafprozess warf die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Wiedeking Marktmanipulation vor, er soll 2008 mit gezinkten Karten gespielt und so Börsenkurse gesteuert haben. Ein halbes Jahr musste Wiedeking immer mal wieder auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts Platz nehmen, ehe er im März 2016 einen lupenreinen Freispruch bekam. An den Vorwürfen sei absolut gar nichts dran, so der Richter.

Wiedekings markigste Sprüche
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Einst rettete Wendelin Wiedeking Porsche vor dem Untergang. Nach der gescheiterten Übernahme von VW steht der langjährige Porsche-Chef jedoch nicht mehr besonders gut da. Mit seinen markigen Sprüchen erregte er über die Jahre stets Aufsehen. Eine Auswahl.

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"Wenn Größe das entscheidende Kriterium wäre, müssten die Dinosaurier heute noch leben."Spiegel, 18.1.1999 Foto: ap

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"Fusion ist der Zusammenschluss von Unternehmen zum Abbau vor Verlusten, die sie allein nicht gehabt hätten."Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2001 Foto: Reuters

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"Stuttgart ist eine schöne Stadt, nicht nur Wirtschaftsstandort. Das wird aber oft nicht wahrgenommen. Porsche wird nie von Stuttgart weggehen. Das ist undenkbar."Stern, 17/2004 Foto: Reuters

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"Bedenkenträger muss man nach Hause schicken. Sie machen alles kaputt. Angst behindert das Denken. Ich habe keine Angst. Nie."Financial Times Deutschland, 1.5.2004 Foto: ap

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"Wer für ein Auto viel Geld ausgibt, will bewundert und nicht verachtet werden."Financial Times Deutschland, 1.5.2004 Foto: dpa

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"Man sollte die Schippe nicht zu voll nehmen und sich übernehmen."Handelsblatt, 9.12.2005 Foto: ap

Auf dem Chefposten einer großen Firma saß Wiedeking seit seinem Aus bei Porsche nicht mehr. Und das sei gut so, beteuert der Manager - er will sein eigenes Ding machen und bloß kein Angestellter mehr sein. Beteiligungen an 20 Firmen hält er nach eigenen Angaben, darunter die Pizzakette tialini, die Ferienhaus-Vermietung e-domizil mit 250 Mitarbeitern, die Kreuzfahrt-Plattform e-hoi und ein Schuhhändler.

Beim Karstadt-Eigentümer Signa verkaufte er kürzlich Anteile an einer Immobilientochter für schätzungsweise mehr als 50 Millionen Euro. Warum? „Der stationäre Handel kommt durch das Internet brutal unter Druck“, sagt er. Man müsse als Unternehmer einen „Riecher für Veränderungen haben und darf nicht derjenige sein, der sogar beim allerletzten Klingeln an der Firmentür noch da ist“.

Der eigenwillige Starmanager
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