Wenn Alkohol zum normalen Verhalten der Reisenden gehört
Reiseveranstalter haftet für Sturz vom Balkon

Nach dem tödlichen Sturz eines Touristen vom Balkon eines türkischen Hotels muss der deutsche Reiseveranstalter der Witwe Schmerzensgeld zahlen.

HB KÖLN. Der Reiseveranstalter müsse sich vergewissern, dass die von ihm unter Vertrag genommenen Hotels einen ausreichenden Sicherheitsstandard bieten, stellte das Oberlandesgericht in seinem am Mittwoch in Köln veröffentlichten Urteil klar. Bei einer nur 56 Zentimeter niedrigen Balkonbrüstung im dritten Stock habe "sich geradezu aufdrängen müssen", dass ein Sicherheitsmangel vorliege. Der Reiseveranstalter müsse 6500 Euro Schmerzensgeld an die Witwe zahlen und die Beerdigungskosten übernehmen (Az: 16 U 40/06).

Der Mann war nach einem Barbesuch in dem türkischen Hotel zum Rauchen auf den Balkon getreten und hatte das Gleichgewicht verloren. Er stürzte über die Brüstung in die Tiefe und starb.

Der Reiseveranstalter hatte angeben, die vom Hotelier vorgelegten Unterlagen hätten den Vorschriften im Urlaubsland Türkei entsprochen.

Der Mann sei zudem übermäßig alkoholisiert gewesen. Das Gericht betonte hingegen, eine 56 Zentimeter hohe Brüstung sei als Sicherheitsmangel und Reisemangel anzusehen. Eine Brüstung diene gerade dazu, Gleichgewichtsstörungen aufzufangen. Das gelte vor allem im Urlaub, "wo Alkohol zum normalen Verhalten der Reisenden" gehöre, "das durch Einrichtungen wie Hotelbars noch gefördert" werde.

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