Wenn der CEO an Krebs erkrankt Zwischen Chefsessel und Chemotherapie

Sie haben Krebs, unterziehen sich einer Strahlentherapie – und lenken trotzdem ein Unternehmen: Wenn kranke Vorstandschefs weitermachen wollen, glauben sie, dass der Beruf zur Stütze wird. Ärzte sind skeptisch.
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Warum tun sich Top-Manager das an? Und wie können sie die doppelte Belastung verkraften? Quelle: Imago
Mit dem Laptop zur Chemotherapie

Warum tun sich Top-Manager das an? Und wie können sie die doppelte Belastung verkraften?

(Foto: Imago)

DüsseldorfDiagnose Krebs. Jährlich trifft das allein in Deutschland etwa eine halbe Millionen Menschen. Etwa jeder zweite Mensch wird im Laufe seines Lebens an Krebs erkranken, sagen Studien. Auch Top-Manager kann es treffen. Einer von ihnen ist der Franzose Olivier Bohuon: Der Vorstandschef sei an Krebs erkrankt, teilte Smith & Nephew Anfang Februar mit. Der Pharmazeut leitet den britischen Medizintechnik-Konzern seit rund fünf Jahren. Bohuon ist dort Chef von 11.000 Mitarbeitern. Jahresumsatz des Unternehmens 2014: 4,6 Milliarden Dollar. Viel Geld – viel Verantwortung.

Trotz der schweren Erkrankung hat der 57-Jährige vor, CEO von Smith & Nephew zu bleiben. Er werde „während seiner Behandlungszeit aktiv in den Geschäftsablauf miteinbezogen werden“, heißt es vom Unternehmen. Der Krebs sei sehr gut behandelbar.

Sich einer Chemotherapie zu unterziehen und zugleich ein Unternehmen zu lenken - geht das? Bohuon ist nicht der Einzige: In den vergangenen Jahren führten mehrere krebskranke Vorstandschef die Geschäfte neben ihrer Krebstherapie weiter – vor allem im angloamerikanischen Raum. In Deutschland machte der KfW-Chef Ulrich Schröder Ende 2015 seine Krebserkrankung öffentlich. Der Top-Manager kündigte an, seine Reisetätigkeiten und Terminverpflichtungen zu reduzieren, den Vorstandsvorsitz jedoch zu behalten.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon erkrankte vor zwei Jahren an Kehlkopfkrebs und gab damals an, zwar weniger hin und her zu jetten, aber weiterhin aktiv am Tagesgeschäft teilzuhaben. Auch Warren Buffett befindet sich in dem Kreis: 2012 wurde bei der Investorenlegende Prostatakrebs diagnostiziert. Trotz seiner zweimonatigen Strahlentherapie wollte er damals nicht auf den Chefsessel seiner Holding Berkshire Hathaway verzichten.

Wie funktioniert das, fragen sich Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden. Wie kann ein Manager eine solche doppelte Belastung verkraften? Und ist das überhaupt gesund?

„Wenn sich jemand so weit hochgearbeitet hat, ist er vermutlich sehr mit seinem Beruf verwachsen“, erklärt Sabine Khalsa. Die Berliner Psychoonkologin hat mit vielen Krebspatienten gearbeitet und vermutet verschiedene Motive: „Diese Menschen haben oft ein so hohes Verantwortungsbewusstsein, dass sie ihre Arbeit nicht einfach loslassen können. Sie können nicht einfach aufhören, zu arbeiten.“ Es könne aber auch sein, dass sie berufliches Pausieren als Faulenzen empfänden, sie die Angst vor dem sozialen oder beruflichen Abstieg antreibe, die Krankheit unterschätzt oder durch Arbeit verdrängt werde.

Was an Krebsmythen dran ist
Krebs ist ansteckend
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Dieses Vorurteil hält sich standhaft. Dabei ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, dass Krebs weder über den normalen Umgang mit Patienten noch über die Pflege übertragen werden kann. Denn Patienten scheiden die Krebszellen nicht aus. Kommt ein Mensch versehentlich mit Tumorgewebe direkt in Berührung, erkennt das Immunsystem die fremden Körperzellen und eliminiert sie. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass dieser Schutzmechanismus sogar funktioniert, wenn man eine Bluttransfusion mit dem Blut eines Krebskranken verabreicht bekommt.

Quelle: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums

Zucker füttert den Krebs
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"Verzichte bloß auf Zucker!" Diesen Ratschlag hören krebskranke Menschen oft. Denn Zucker ist der Energielieferant schlechthin für unsere Zellen. Die Beobachtung des Energiestoffwechsels von Tumorzellen und ob sich dieser von gesunden Zellen unterscheidet, ist eine wichtige Frage der Krebsforschung. Bislang gibt es keine Studienergebnisse, die diese Theorie klar be- oder widerlegen könnten. Krebsforscher warnen aber vor allzu strengen Diäten, um den Körper und den Appetit, der ohnehin unter der Krankheit und der Therapie leidet, nicht zu überfordern.

Abtreibung löst Brustkrebs aus
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Dieses Gerücht ist eine echte Belastung für alle Frauen, die sich im Laufe ihres Lebens einmal gegen ein Kind entscheiden mussten. Ausgangspunkt ist eine Studie aus den USA, die weltweit in den Medien zitiert wurde. Diese legte nahe, dass Abtreibungen das Risiko für ein Mammakarzinom erhöhe. Kritiker bemängelten, dass mit der Studie keine Krebshäufung unter betroffenen Frauen nachgewiesen werden konnte. Auch ließe sich gar nicht ablesen, dass Abtreibung und Brustkrebs ursächlich etwas miteinander zu tun hätten. Mittlerweile wurden fundierte Studien durchgeführt, die zeigen, dass Schwangerschaftsabbrüche und auch ungewollte Fehlgeburten als Risiko für Brustkrebs relativ sicher ausgeschlossen werden können.

Zu enge BHs verursachen Brustkrebs
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Auch diesen Mythos schürte ein Buch aus den USA. Darin hieß es, dass das Abklemmen der Lymphbahnen dazu führe, dass der Stoffwechsel nicht gut funktioniere und Schadstoffe nicht abwandern könnten. Ein Beweis oder eine wissenschaftliche Quelle für diese Behauptung konnten die Autoren jedoch nicht liefern. Inzwischen ist klar: Das Tragen von Büstenhaltern beeinflusst das Brustkrebsrisiko nicht, egal ob zu eng oder gut passend, mit Bügel oder ohne.

Viele Lebensmittel sind für Krebspatienten giftig
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So viele Ratschläge Freunde und Bekannte auch auf den Lippen haben, eine sogenannte "Krebsdiät" gibt es nicht. Häufig wird vor Kartoffeln, Tomaten oder Schweinefleisch gewarnt, die angeblich giftig für Krebspatienten seien. Tatsächlich enthalten die Nachtschattengewächse Kartoffeln und Tomaten in ihren grünen Pflanzenteilen das schwach giftige Solanin. Krebs fördert dieser Stoff jedoch nicht.
Das Gerücht, Schweinefleisch sei schädlich, scheint eher einen weltanschaulichen oder religiösen Hintergrund zu habe. Wissenschaftliche Belege, dass das Fleisch ungesund ist, gibt es jedenfalls nicht.

Krebsrisiko steigt nach einer Sterilisation
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Führt eine Durchtrennung der Eileiter oder Samenstränge zu Krebs? Hierauf ist die Antwort nicht so eindeutig zu geben. Bei Frauen konnte die Vermutung, eine Unterbindung der Eileiter führe zu Eierstockkrebs, bislang nicht durch Studien belegt werden. Bei Männern sieht die Sache etwas anders aus: Jahrelang galt eine Vasektomie als ungefährlich. Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, scheint tatsächlich nicht anzusteigen. Bei Prostatakrebs hingegen sehen die Wissenschaftler noch offene Fragen. Eine US-Studie die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde und 50.000 Männer über einen Zeitraum von 24 Jahren beobachtete, wies auf einen leichten Anstieg aggressiver Prostatakarzinome nach einer Vasektomie hin. Der Mechanismus dahinter ist aber noch unklar.

Übergewicht macht krebskrank
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Es gibt Studien, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob es einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Körpergewicht und Brustkrebs gibt. Und tatsächlich müssen Frauen, die nach den Wechseljahren deutlich übergewichtig sind, mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit leben. Für jüngere Frauen wurde dieser Zusammenhang bisher nicht bestätigt. Laut dem Krebsinformationsdienst laufen hierzu aktuell noch weitere Studien.

„Aber wenn die Arbeit einem generell Freude bereitet, gibt sie den Menschen Halt und verhindert, dass die Gedanken ständig um die Krankheit kreisen“, so Khalsa. Den Beruf weiter auszuüben komme also der psychischen Gesundheit zugute, was sich wiederum positiv auf die körperliche Gesundheit auswirken könne.

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1 Kommentar zu "Wenn der CEO an Krebs erkrankt: Zwischen Chefsessel und Chemotherapie"

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  • Sehr,sehr trauriges Thema
    möchte dazu auch nichts sagen, wollte auch nur zeigen, dass ich die offene Kommentarfunktion vor meinem Freund farmer entdeckt habe ;)

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