Wenn ein geeigneter Kandidat gefunden ist, fängt die Arbeit für Unternehmen erst an
Damit Talente nicht abwandern

Die meisten Personalchefs weltweit haben große Schwierigkeiten, qualifizierte Kandidaten für offene Stellen zu finden. 62 Prozent klagen darüber, dass immer weniger Bewerber mit den richtigen Erfahrungen und passender Ausbildung verfügbar seien. Der Wettbewerb um die wenigen Talente werde immer härter. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Development Dimensions International (DDI).

Die Berater haben die Einstellungspraxis von 349 Unternehmen aus 13 Ländern unter die Lupe genommen. Dabei befragten sie rund 1 600 Personalmanager.

Wenn Unternehmen eine freie Stelle mit einem geeigneten Kandidaten besetzt haben, fängt ihre eigentliche Arbeit erst an. Fast ein Viertel der neu eingestellten Mitarbeiter verlässt das Unternehmen in wenigen Monaten wieder, um einen anderen Job anzutreten. Für 25 Prozent dieser Abtrünnigen sind bessere Entwicklungsmöglichkeiten bei einem anderen Arbeitgeber der Grund für den schnellen Wechsel. Die DDI-Studie belegt: Personalentwicklung und attraktive Karrierewege sind die wichtigsten Argumente der Unternehmen im Wettbewerb um Talente geworden. „Das Einkommen ist längst nicht mehr das erste Kriterium, nach dem Top-Kandidaten eine Position auswählen“, urteilt DDI-Deutschlandchef Horst Dammer. „Wer die besten Bewerber für sich gewinnen und im Unternehmen halten will, muss Entwicklungspotenzial und eine attraktive Work-Life-Balance bieten.“

Erfolgreiche Unternehmen haben auf diese Veränderung längst reagiert, auch das zeigt die DDI-Studie. Sie haben ein so genanntes Nachfolgemanagement eingeführt und damit die Zahl der abwandernden Talente gedrückt. Das einfache Rezept: Dank intensiverer Personalentwicklung können die Unternehmen mehr Stellen mit internen Kandidaten besetzen. So bieten sie Talenten aus dem eigenen Haus interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig befreien sich die Personalmanager auf diesem Weg von einem Teil der Last, externe Kandidaten zu rekrutieren. „Personalmanager entledigen sich damit zweier Sorgen auf einmal“, urteilt DDI-Chef Dammer.

Den schärferen Wettbewerb bemerken selbst Unternehmen mit zugkräftigen Namen. Zum Beispiel SAP: „Wir müssen seit einigen Jahren stärker um die Top-Talente kämpfen“, erzählt Harald Borner, Chef des globalen Talent-Managements bei dem Software-Konzern. Dennoch fällt es SAP im Vergleich zu kleinen und unbekannten Unternehmen leicht, Kandidaten von sich zu überzeugen. Daran haben Entwicklungsprogramme einen großen Anteil, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren neu gestaltet hat. Personaler Borner: „Wir zielen jetzt darauf ab, auch neuen Mitarbeitern von Anfang an Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“ Allein im laufenden Jahr will SAP 3 000 neue Mitarbeiter einstellen – vor allem in der Produktentwicklung und im Vertrieb.

Bei der Personalsuche werden Unternehmen in den kommenden Jahren noch größere Probleme haben, prophezeit die DDI-Studie. Zwar wird die Zahl der Bewerbungen weiter steigen. Doch die Berater warnen: Die Zahl qualifizierter Bewerber wird eher weiter sinken.

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