Wenn Lieferanten wegbrechen
Die Krise zwingt zu ungewöhnlichen Allianzen

Je weiter am Anfang der Lieferkette eine Firma steht, umso stärker wirkt sich der Nachfrageeinbruch aus. Kollabiert ein einzelnes Unternehmen, können die ganze Zulieferer in Existenznot geraten. Die Wirtschaftskrise zwingt deshalb zu ungewöhnlichen Allianzen.

DÜSSELDORF. Die Geschäftssitten sind rauer geworden. Einkäufer kämpfen derzeit mit besonders harten Bandagen. „Bis um die zweite Stelle nach dem Komma feilschen sie mit uns um den Preis“, erzählt Johannes Winklhofer, geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Iwis. Nach Jahren extremer Preissprünge findet vielerorts ein harter Preiskampf statt, bestätigt Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Wo die Nachfrage wegbricht, sind die Lieferantenverträge nicht mehr das Papier wert, auf dem sie stehen. Der Chef von Iwis, führender deutscher Hersteller von Präzisionsketten, nimmt’s sportlich: „In der Automobilbranche gelten knallharte Regeln. Wer da nicht mitspielen will, sollte das Spielfeld verlassen.“

Immer mehr Zulieferer jedoch müssen unfreiwillig das Feld räumen. „Sinkende Absatzmengen setzen mit steigenden Beschaffungskosten eine Abwärtsspirale der Unrentabilität in Gang“, sagt Horst Wildemann, Professor für Unternehmensführung, Logistik und Produktion an der TU München. Eigentlich müssten die Lieferanten ihre Preise jetzt anheben, da niedrigere Mengen ihre Stückkosten erhöhen.

Und je weiter am Anfang der Lieferkette eine Firma steht, umso stärker wirkt sich der Nachfrageeinbruch aus: Ein Umsatzrückgang beim Endhersteller von 30 bis 50 Prozent führt zu einem Einbruch von 60 bis 70 Prozent bei Zulieferern der ersten Stufe, hat Wildemann ermittelt. Winklhofer von Iwis sieht sich als Zulieferer in einer Sandwich-Position: „Preisnachlässe und Rabatte müssen wir auf unsere Vorlieferanten abwälzen.“

Seite 1:

Die Krise zwingt zu ungewöhnlichen Allianzen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%