Wer Erfolg haben will, braucht Leitbilder. Als visionärste Unternehmen gelten Porsche und BMW
Deutsche Wirtschaft braucht Macher

Drei von vier Befragten glauben, dass es in der deutschen Wirtschaft wieder Zeit für Visionen ist,“ so Bernhard Fischer-Appelt, Gründer und Chef der gleichnamigen Hamburger Unternehmensberatung. Dies ist das Ergebnis einer Studie, für die 60 ausgewählte Meinungsmacher – Fach- und Führungskräfte sowie Wirtschaftsjournalisten – befragt wurden und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Die Studien-Ergebnisse im Detail: In den vergangenen Jahren haben sich die Manager zu sehr auf den kurzfristigen ökonomischen Erfolg konzentriert, deshalb mangelt es Deutschlands Unternehmen heute an inspirierenden, weiterführenden Unternehmensleitbildern, meinten 72 Prozent der Befragten. Nur zwei Prozent entschuldigen das damit, dass die Schnelllebigkeit des heutigen Wirtschaftslebens keinen Platz für Zukunftsprojektionen lässt. Alle anderen meinen, wer wollte, könne auch.

Ähnlich sieht es auch Salem Samhoud, Unternehmensberater in den Niederlanden, der auch für deutsche Großunternehmen arbeitet: „Alles wird immer nur analysiert – nur wie man Energie in die Unternehmen bringt, da herrscht Ratlosigkeit.“ Und weiter: „ Deutsche haben Angst, über höhere Ziele zu reden, und sie haben Schwierigkeiten, wenn man sie nach ihrer Leidenschaft fragt.“

Welche deutschen Unternehmen stehen für Visionen? Die Befragung ergab dieses Ranking: Auf Platz Eins stehen die Autobauer Porsche und BMW mit 82 Prozent. Platz Zwei belegt Puma mit 68 Prozent und Platz Drei die Deutsche Post mit 58 Prozent. Am Ende rangiert die Deutsche Bahn mit 21 Prozent und Daimler-Chrysler mit 16 Prozent.

Was genau eine Vision ausmacht, skizziert Fischer-Appelt so: Sie soll interpretierbar und wenig konkret sein. „Das mit Daimler-Chryslers Welt-AG zum Beispiel war wohl überambitioniert. Ein so großes Ziel kann man zwar im Hinterkopf haben, aber man sollte es nicht aussprechen.“ Dinge zu tun, die man für richtig hält, auch wenn sie nicht jeder versteht, wirkt da manchmal viel visionärer. Zum Beispiel sich wie der Porsche-Chef zu weigern, Quartalsberichte abzuliefern. „Wendelin Wiedeking setzt sich immer wieder in Widerspruch zur allgemeinen Erwartungshaltung, und das ist auch ein Beleg für seine Führungsstärke“, so Fischer-Appelt.

Er glaubt, dass der wirtschaftliche Erfolg viele Dax-Unternehmen dazu zwingt, neue Visionen zu entwickeln. „Wenn die Telekom einen Gewinn von 4,6 Milliarden Euro verkündet, dann stellt sich klar die Frage: Wo geht die Reise hin? Was haben die als Nächstes vor? Was machen die mit dem Geld?“

Die Studie bringt „visionäre und profilierte Unternehmen in direkte Verbindung mit starken Führungspersönlichkeiten“, und fragt, welche Qualitäten Manager erfolgreicher Unternehmen mitbringen müssen. Jeder zweite Antwortgeber betrachtet ein starkes Auftreten, Kommunikation, Außenwirkung und soziale Kompetenz als jene Eigenschaften, durch die sich klar profilierte Führungskräfte auszeichnen sollten. Wiedeking erhält hier die meisten Punkte, gefolgt von BMW-Chef Helmut Panke. Damit landen dieselben Kandidaten auf den ersten Plätzen wie bei der Frage nach dem Visionären. Die Befragten scheinen Unternehmen vor allem dann ein hohes visionäres Potenzial zuzutrauen, wenn sie von der Qualität ihrer Führung überzeugt sind.

Doch welche Eigenschaften sind es, die für ein positives Image sorgen? „Jemand, der sich bemüht, authentisch zu sein, der hat große Vorteile,“ glaubt Fischer-Appelt. „Entscheidend ist, die Menschen motivieren zu können, in der Lage zu sein, Kostensenkungen und Restrukturierungen durchzuziehen und gleichzeitig die Ingenieure dazu anzuspornen, etwas Neues zu schaffen. Nur weil jemand mit dem Rasenmäher durch das Unternehmen fährt, arbeitet noch niemand besser.“ Hilfreich ist da schon eher, nach sehr erfolgreichem Geschäftsjahr jedem Mitarbeiter eine Prämie von 3 200 Euro zu bewilligen, wie dies Wendelin Wiedeking gerade getan hat.

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